25. September 2016

Warten auf das Wunder

Das herrliche Herbstwetter lud geradezu ein, sich an diesem Wochenende ordentlich auszutoben. Angenehme Temperaturen und nur ein leichtes Lüftchen waren ideal für schnelle und deshalb auch längere Touren.

Doch wenn ich mit meinem Sportfreund Lád'a auf Achse bin, wird sowieso nicht gebummelt. Nachdem wir uns morgens in Hellendorf getroffen hatten, fuhren wir in das Hochland oberhalb der Elbe zwischen Tetschen (Děčín) und Aussig (Ústí n.L.). Mittlerweile werden auch dort die alten, verwitterten Straßen Stück um Stück erneuert, was mir dieses Gebiet noch sympathischer macht. Nur auf der Abfahrt nach Pömmerle (Povrly) wurde ich trotz gedrosselter Geschwindigkeit ordentlich durchgeschüttelt. Dabei stießen wir am Stausee durch die Wolkendecke, die in Böhmen noch über dem Elbtal lag. Ziemlich unwirklich und doch hier typisch für diese Jahreszeit.

Ein Schiff wird kommen ... (Aufnahmeort)
Die Autofähre nach Großpriesen (Velké Březno) hatte ich bisher auf meinen Touren immer ignoriert, weil sie lange außer Betrieb schien. Nun brachte sie uns auf die andere Elbseite. Wie auch bei einer ähnlichen Fähre in Niedergrund (Dolní Žleb) und der Doppelfähre in Rathen, fährt sie nur durch die Kraft des Wassers auf die jeweils andere Flußseite. Früher gab es im Elbsandsteingebirge fast ausschließlich solche Gierseilfähren, heute sind es Exoten. Schade! Dabei sind sie absolut umweltfreundlich: null Emissionen ...

Mein tschechischer Kamerad mußte nachmittags noch etwas erledigen, deshalb verabschiedeten wir uns in Tetschen. Das war mir jedoch zu früh, um sofort nach Pirna zurückzufahren, und so entschied ich mich für zwei zusätzliche Abstecher - einmal bis nach Hohenleipa (Vysoká Lípa), den anderen zur Ebenheit unter dem Lilienstein.

Bei der Fahrt von Hohenleipa in Richtung Kirnitzschtal gab es eine große Überraschung. Normalerweise ist die Böhmerstraße (Česká silnice), die zur tschechische-deutschen Grenze führt, vom Untergrund her eine absolute Katastrophe. Grober Schotter, tiefe Schlaglöcher und nach Regen jede Menge Matsch. Dabei wäre der Weg eine optimale Verbindung zwischen Hinterer Sächsischer und Böhmischer Schweiz (s. Track vom 24.09., km 97,8 - 104,2). Ich habe mir jedenfalls schon lange gewünscht, daß dort etwas getan wird. Doch nun scheint mein Wunsch Realität zu werden. Nicht nur, daß auf der Piste inzwischen jedes Schlagloch mit Schotter verfüllt und der Untergrund glattgewalzt wurde sowie Wasserdurchlässe erneuert bzw. saniert werden, nein, plötzlich befand sich kurz vor dem Abzweig zu den Balzhütten auch ein ca. dreihundert Meter langer perfekt asphaltierter Abschnitt unter meinen Rädern. Falls das über die ganze Böhmerstraße gemacht wird, gehört das Geholpere bald Vergangenheit an. Mal sehen, wann es soweit ist. (Eine Mineralstoffdecke hätte übrigens auch schon eine ganze Menge gebracht.) Die Schotterrallye bleibt aber dafür ganz gewiß auf dem Forstweg aus dem Elbtal zur Ebenheit unter dem Lilienstein erhalten (s. Track vom 24.09., km 133,2 - 134,8). Dieser Abschnitt liegt nämlich im deutschen Landschaftsschutzgebiet.

Heute wollte ich mich eigentlich schonen. Nur eine entspannte Runde auf's Geradewohl sollte es werden, nicht zu  lang und nicht zu bergig. Na ja, viele Höhenmeter waren es letzten Endes auch nicht. Aber auf der Anfahrt nach Meißen lockten mehrere interessante Umwege inklusive einiger Kilometer Neuland. Und hinter der Domstadt fuhr sich das Triebischtal so schön, da wollte ich vorher nicht abbiegen. Daß ich anschließend ab Freital lieber über den Berg nach Possendorf und Kreischa gefahren bin, war auch logisch. Das Gewusel auf dem Elbradweg mußte ich mir bei diesem Sonntagswetter nicht antun.

Bald werde ich aber auch auf dieser Touristenmagistrale meine Ruhe haben. Es muß nur noch ein paar Grad kälter und damit ungemütlicher werden.

Jeder Tag zählt.

Track der Handbiketour vom 24.09.2016
Track der Handbiketour vom 25.09.2016

23. September 2016

Schlußstrich

Es diesmal etwas länger gedauert, doch nun habe ich den illustrierten 10-seitigen Reisebericht meines Sommerurlaubs fertig. Er faßt noch einmal meine Blogbeiträge aus dieser Zeit zusammen.

Daß der Umfang so viel stärker als in den vorangegangenen Jahren ist, liegt auch an den vielen Handbiketouren. Immerhin kamen dabei in 3 Wochen auf 14 Touren 1.117 km und 21.750 Hm zusammen. Angesichts der nicht immer optimalen Witterungsbedingungen ein sehr gutes Ergebnis.

Auch im Jahr 2016 war ich meistens allein unterwegs. Der Vorteil dabei ist, daß ich selbst Tempo und Streckenlänge bestimmen und damit eigene Grenzen viel besser ausloten kann. Das gemeinsame Erleben in einer Gruppe von Gleichgesinnten ist mir aber ebenso wichtig. Deshalb freue ich mich auch über jede gemeinsame Tour mit Freunden.

Von mir aus könnte das noch viel häufiger sein.

20. September 2016

Der Herbst ist da!

So schnell kann es gehen! Noch während meiner Freitagstour habe ich mich bei prallem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen über jeden Flecken Schatten gefreut. Aber nach einem völlig verregneten Sonnabend durfte ich an den Folgetagen froh sein, wenn es das Thermometer bis 14°C schaffte. Die Sonne habe ich dabei nur gestern abend für ein paar Minuten gesehen.

Quelle am Grenzweg auf dem Weg zum Taubenteich (Aufnahmeort)
Als ich mich nach dem zeitigen Feierabend freitags auf den Weg machte, plante ich von Beginn an einen Abstecher zum Taubenteich. Dort hat der Forst ein sogenanntes Biwak neu eingerichtet, außerdem am Großen Zschirnstein (s. SZ-Artikel). Die einfachen Übernachtungsplätze sollen als Unterkünfte für die langsam Gestalt annehmende Trekking-Route durch das südliche Elbsandsteingebirge mit dem Arbeitstitel Forststeig  dienen und damit das Gebiet für den Tourismus attraktiver machen. Auch für mich wäre das Angebot durchaus interessant, falls ich mal hier übernachten möchte. Ich mag nämlich diese abgelegene und von ausufernden Touristenströmen bisher verschonte Ecke des Gebirges.

Davor dehnte ich meine Tour noch etwas aus, um auf das Tagessoll zu kommen. Am Taubenteich selbst traf ich zu vorgerückter Stunde dann  den Förster, der noch mit letzten Arbeiten am Biwakplatz beschäftigt war. Meine Freude trübte sich allerdings ein wenig, als er mir zeigte, wie die Unterkunft funktioniert. Die kann ich wohl doch nicht ganz allein nutzen, denn zum Vorbereiten des Schlafplatzes benötige ich Hilfe durch Fußgänger. Aber vielleicht kann man ja das eine oder andere noch anpassen. Ich hätte dafür auch schon Ideen ...

Der Sonnabend fiel komplett ins Wasser, und auch am Sonntag sah es zunächst nicht gut aus. Doch als gegen eins der Dauerregen aufhörte, hockte ich mich für eine Nachmittagsrunde auf den Bock. Diesmal bevorzugte ich das offene Land, weil dort am schnellsten die Straßen abtrocknen. Überraschenderweise rollte es ganz gut, so daß ich immer noch einen Zacken dranhängen konnte. Allerdings kam ich dabei zum Schluß in die Dunkelheit. Zwar hatte ich meine Beleuchtung mit, doch die Batterien der Stirnlampe lagen in den letzten Zügen. In fast völliger Finsternis durch die Herrenleite (s. Track vom 18.09., km 94,2 - 96,5) zu fahren - das war schon etwas ganz Spezielles. Vor allem die Begegnung mit den Jungrindern, die ich unterwegs aufstöberte. Zwar nahmen sie vor mir hektisch Reißaus, doch brauchte ich eine ganze Weile, bis sie mir schließlich den Weg freigaben. Den direkten Kontakt wollte ich jedenfalls tunlichst vermeiden.

Auch gestern konnte ich erst kurz vor Mittag starten. Neu war für mich dabei nur der Radweg von Sebnitz nach Rugiswalde (s. Track vom 19.09., km 36,7 - 39,7) sowie das kurze Stück Radweg von Kleinwolmsdorf bis zur Radeberger Straße vor Großerkmannsdorf (s. Track vom 19.09., km 83,9 - 85,7). Beim erstgenannten Abschnitt führt jedoch ein großer Teil ab dem Bahnübergang auf einem schotterigen Wanderweg, so daß ich ihn sicher kein zweites Mal befahre. Jetzt weiß ich das aber.

Vielleicht bin ich am kommenden Wochenende mal wieder mit meinem Kameraden Lád'a auf Tour. Dann hoffentlich bei besserem Wetter.

Track der Handbiketour vom 16.09.2016
Track der Handbiketour vom 18.09.2016
Track der Handbiketour vom 19.09.2016

12. September 2016

Ein ungastlicher Ort

22.00 Uhr bin ich am Sonnabend zuhause angekommen. Rechtzeitig genug, um nach dem Auspacken und Einräumen gleich gestern und auch heute wieder meine Runden in der Heimat zu drehen. Immer schön am Ball bleiben!

Allerdings waren die Temperaturen nicht dazu angetan, besonders anspruchsvolle Touren zu absolvieren. Da ich an beiden Tagen morgens etwas später startete - ich brauchte unbedingt meinen Schönheitsschlaf - kam ich natürlich jedesmal voll in die Hitze. Bis 32°C warm wurde es tagsüber.

Eine Dominante im Elbsandsteingebirge: Die Schrammsteinkette mit (links) dem Falkenstein (Aufnahmeort)
Es war eigentlich nicht beabsichtigt, dabei neue Streckenabschnitte zu befahren. Doch auf meiner ersten Tour fiel mir spontan ein Waldweg ein, dessen Verlauf ich schon immer mal erkunden wollte (s. Track vom 11.09., km 31,2 - 34,5). Zunächst sah er zwar ganz gut aus, aber am Ende wurde es wieder eine Wald- und Wiesenfahrt. Das muß man nicht unbedingt haben.

Die zweite Aktion betraf die Befahrung des Täppigsteigs von Kleinhennersdorf hinunter ins Elbtal (s. Track vom 11.09., km 37,0 - 38,2). Weil die Straße nach Krippen immer noch gesperrt ist, gab es für mich nur diese Möglichkeit. Die Befahrbarkeit des Wanderwegs war mir zwar noch aus Fußgängerzeiten in Erinnerung, zur Sicherheit befragte ich jedoch vorher eine Einheimische. Sie bestätigte meine Vermutung. Trotzdem mußte ich mich besonders im zweiten Teil langsam hinuntertasten, denn das Gelände ist nun wirklich nur für offroad-gestählte Handbiker geeignet.

Im weiteren Verlauf gingen wegen der Hitze meine Flüssigkeitsvorräte bedrohlich zur Neige. Für mich unüblich, erwog ich also einen Zwischenstop beim Eiscafe Reinholz am Dürrröhrsdorfer Bahnhof. Als ich in den Laden mit dem Handbike reinrollte, um mich bemerkbar machen, geschah Unerwartetes. Mein freundliches "Guten Tag" wurde völlig ignoriert, stattdessen wies mich die Dame  am Tresen sofort darauf hin, daß ich doch bitte umgehend das Geschäft verlassen sollte. Sie würde mich draußen bedienen, denn aus hygienischen Gründen könnte sie mein (ihrer Meinung nach den Innenraum verschmutzendes) Handbike nicht im Raum dulden. Ich brauchte eine Weile, bis ich ihre Ausführungen verdaut hatte. Dann aber ließ ich sie mitsamt der Mineralwasserflasche vor allen Gästen einfach stehen. Das muß ich mir bieten lassen! Immerhin war es in 17 Jahren erst das zweite Mal, daß mir so etwas passiert ist. - Den Schuppen boykottiere ich auf Lebenszeit!

Heute war erst recht Auspendeln angesagt. Wer es von Pirna aus flach haben möchte, fährt als Alternative zum Elbtal in Richtung Norden. In Gickelsberg fiel mir aber der als Radweg ausgewiesene Abzweig zum Schwedenstein auf (s. Track vom 12.09., km 43,8 - 45,5). Diese Straße kannte ich noch nicht, und so habe ich den Gipfel gleich noch mitgenommen. Von oben gab es zwar keine Aussicht, dafür aber bis dahin eine knackige 12%-Rampe. Im prallen Sonnenschein bei über 30°C im Schatten (also bestimmt 40°C in der Sonne) ist diese eine besondere Herausforderung gewesen.

Auch die heute befahrenen Straßen und Feldwege vor und nach Gräfenhain kannte ich noch nicht (s. Track vom 12.09., km 57,0 - 63,6). Auch wenn ich dort sicher den Feldweg nach Höckendorf nicht mehr fahren werde, war die Strecke doch durchaus interessant. Auf der Straße kommt man aber schneller voran.

Von mir aus kann es nun gern langsam etwas kühler werden. Dann wird's auch wieder etwas mit "Berg"touren.

Track der Handbiketour vom 11.09.2016
Track der Handbiketour vom 12.09.2016

10. September 2016

Perfekter Abschluß

Jetzt sitze ich gerade im railjet der ÖBB von Landeck nach Wien. Hier gibt es WLAN, und so kann ich die letzten drei Tage gleich online Revue passieren lassen.

Vom Nationalpark Gesäuse verabschiedeten wir uns am Donnerstag nach einer morgendlichen Diskussionsrunde mit den dortigen Verantwortlichen und Kooperationspartnern für das Thema "Barrierefreies Naturerleben". Ich persönlich hatte allerdings den Eindruck, daß dies eher eine Einweg-Kommunikation unter dem Motto: "Schaut her, was wir alles für die Behinderten machen" war. Bei mir kommt so etwas überhaupt nicht gut an.

Anschließend fuhren wir von Admont über Landeck ins Kaunertal, wobei die Anreise mit Bus, Bahn und Taxi wieder ein gewisses Maß an Improvisationsvermögen erforderte. Am besten schnitt diesmal der Postbus ab, bei dessen freundlichem Fahrer ich mich gut aufgehoben fühlte.

Am späten Nachmittag wurden wir in Feichten sogleich von lokalen Tourismus-Vertretern empfangen, die uns stolz einen ersten touristischen Höhepunkt des Tals präsentierten. Zum Aussichtspunkt "Adlerblick" (s. Video) fährt man zunächst über eine schmale Naturstraße, die sich am steilen Hang emporwindet. Der kurze Weg vom Parkplatz zur Plattform wurde stufenlos gestaltet, ist teilweise jedoch ziemlich steil. Wer ohne Swiss-Track unterwegs ist, sollte also externe Unterstützung einplanen.

Es war naheliegend, daß wir im Hotel Weisseespitze übernachteten. Hier, wie anderntags auch bei unseren anderen Ausflugszielen, spürte man ganz deutlich, wie sehr sich der barrierefreie Tourismus für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen in der Region etabliert hat. Denn gegenüber Rollifahrern bleibt der Umgang angenehm offen und unverkrampft. Für mich ist die Region ein Fenster in die Zukunft und ein Beispiel für gelebte Inklusion.

Auf dem Karlesjoch in 3108 m ü. NHN (Aufnahmeort)
Deshalb fiel es auch gestern unseren Gastgebern - diesmal der Geschäftsführer des Naturparks in Begleitung einer Rollifahrerin, die sich beruflich für Barrierefreiheit engagiert - nicht schwer, mich zu begeistern. Zunächst fuhren wir allerdings auf der Kaunertaler Gletscherstraße hinauf bis zum "Gletscherrestaurant Weißsee" und von da mit der barrierefrei zugänglichen 8-er Gondelbahn auf das Karlesjoch in 3108 m ü. NHN, dem sprichwörtlichen Höhepunkt unserer Reise mit wunderbarer Aussicht. Unser nächstes Ziel war das Piller Moor, welches auf Holzstegen teilweise ebenso im Rollstuhl zu erkunden ist. Auch dazu gibt es ein schönes Video, in welchem übrigens unsere gestrigen Begleiter aus der Region bzw. vom Regionalmanagement zu sehen sind. Den Besuch des Naturparkhauses Kaunergrat hoben wir uns bis zuletzt auf. Eine tolle Überraschung war die Einladung unserer Gastgeber zur gemeinsamen nachmittäglichen Brotmahlzeit (den speziellen Begriff dafür habe ich schon wieder vergessen). - Auch so kann Gastfreundschaft aussehen! Und so war es nur ein kleiner Wehrmutstropfen, daß für die Naturparkausstellung und die Besichtigung des gleich beim Haus gelegenen Aussichtspunkts abends nicht mehr genug Zeit blieb.

Hierher komme ich jedoch gerne wieder!

7. September 2016

Abenteuer Reisen

Das Wetter meinte es gestern nicht gut mit uns. Und so wurden wegen des Dauerregens die Außenaktivitäten beim Besuch des Naturparks Purkersdorf zusammengekürzt. In dem westlich von Wien gelegenem, eher touristisch orientierten Ausflugsziel beschäftigt man sich ebenfalls sehr intensiv mit Angeboten für sehgeschädigte Gäste. Unsere Ansprechpartnerin hatte sich wirklich gut vorbereitet und gab sich viel Mühe. Ich ersparte mir allerdings den Rundgang im Freien, um nicht völlig durchgespült zu werden. Der anschließende Erfahrungsaustausch im Trockenen wurde jedoch durchaus interessant, denn diesmal kamen Gastgeber und auch Gäste zu Wort.

Danach begann der spannendste Teil des Tages. Der Transfer nach Admont ausschließlich mittels öffentlicher Verkehrsmittel. Die Züge der ÖBB sowie der U-Bahn ließen sich dabei für mich relativ problemlos nutzen. Zwar war hin und wieder beim Ein- und Aussteigen Unterstützung durch meine Begleiter erforderlich. Doch das Personal war recht engagiert. Allerdings sollte dabei erwähnt werden, daß unsere "Reiseleiterin" die Umstiegshilfen vor der Reise von Deutschland aus reserviert hatte.

Für Nervenkitzel sorgte zwischendurch jedoch der planmäßige Schienenersatzverkehr von Waidhofen / Ybbs nach Kleinreifling. Obwohl die Dispatcher bei der Bahn wußten, daß ein Rollifahrer unterwegs ist, wurde kein geeigneter Bus bereitgestellt - und das trotz extrem kurzer Anschlußzeiten. Glücklicherweise erklärten sich zwei meiner Mitstreiter ohne lange Diskussion zu einer unkonventionellen Aktion bereit: Einer griff mir unter die Arme, der andere faßte meine Beine, um mich danach zu zweit in den Reisebus zu hieven. Nachdem alles Gepäck und mein Rollstuhl endlich verstaut waren, fuhr der Busfahrer wie die Feuerwehr. So konnte er die verlorene Zeit noch gutmachen und wir erreichten rechtzeitig unseren nächsten Zug. Jetzt weiß ich, woher der Begriff "Bahnerlebnisreisen" kommt ...

Mit dem Swiss-Trac am Beginn des Leierweges
(Aufnahmeort)
Unser neues Quartier in Admont, das Hotel "Traube", war zwar nicht uneingeschränkt barrierefrei, für mich als mobilen Rollifahrer aber akzeptabel. Nach einer Einführung zum Gebiet am Vorabend erkundeten wir heute von hier aus barrierefreie Angebote im Nationalpark Gesäuse. Dazu gehörten die "Wanderung" auf dem erst unlängst fertiggestellten Leierweg, die Besichtigung einiger Stationen im Nationalpark-Erlebniszentrum Weidendom und schließlich die Besichtigung einer Ausstellung zur Geologie des Gebirges in Gstatterboden. Bei der Wanderung konnte ich nun auch mal einen Swiss-Trac testen, der hier für 25,-EUR pro Tag bzw. 4,-EUR pro Stunde inkl. Rollstuhl ausgeliehen werden kann. Es gibt sogar einen speziellen "Barrierefreien Wanderführer" dazu.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, daß man sich hier um spezielle Angebote für Besucher mit Mobilitätseinschränkungen bemüht, wobei man dabei jedoch eine ganz andere Vorstellung von Inklusion vertritt, als sie in meinem Kopf existiert. Vieles ist eben Ansichtssache, und auch ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen.

Unsere Besichtigungstour klang mit dem Besuch des Benediktiner-Stifts Admont aus. Neben der eindrucksvollen Klosterbibliothek war ich besonders von einer Installation mit Spiegeln begeistert, bei der man den Eindruck hatte, auf einem Balkon in einem riesigen Auditorium vor einer großen schwebenden Kugel zu stehen. Die Erläuterungen des unsichtbaren und allgegenwärtigen Sprechers zum Benediktiner-Orden und seinem Gründer begleitete dabei auf der Kugel eine Symphonie von Farben und Bildern. Großartig!

Abends wurde es in der Diskussionsrunde zur Tagesauswertung noch einmal ungewohnt lebhaft. Schließlich hat jeder Teilnehmer seine eigenen Erfahrungen zum Thema Barrierefreiheit und deren Umsetzung. Für mich ist es jedenfalls gut, auch mal die Standpunkte der anderen zu erfahren.

Das erweitert den eigenen Horizont.

6. September 2016

Ehrensache Natur

Seit dem Sonntag bin ich wieder auf Reisen. Der Studienaufenthalt „Barrierefreiheit und Inklusion in Schutzgebieten“ in Österreich ist aber eher ein Arbeitsurlaub. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Verwaltungen weiterer Schutzgebiete schaue ich mir im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geförderten Projekts an, wie in unserem Nachbarland mit dem Thema “Natur für Alle” umgegangen wird. Ziel ist es, mit den dort Beteiligten in Erfahrungsaustausch zu treten und  Anregungen für den eigenen Wirkungsbereich zu bekommen.

Erste Station unserer Etappentour war Wien. Untergebracht im Hotel Caroline - dort hatte ich ein sehr schönes barrierefreies Zimmer - stand als erstes der Besuch des Nationalparks Donau-Auen auf dem Programm. Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gestaltete sich überraschend zu einem Abenteuer, denn der Hublift im Postbus war wohl für die Benutzung durch Rollifahrer nicht ausgelegt. Die gleichen Schwierigkeiten gab es dann leider auch bei der Rückfahrt, so daß es mir schwer fällt, noch an einen Zufall zu glauben. Was nützt alle Technik und guter Willen, wenn die Lösung nicht praxistauglich ist!?

Beim ersten Erfahrungsaustausch im Schloß Eckartsau mit einem Mitarbeiter der Österreichischen Bundesforste und dem Vertreter von Naturfreunde International stand die Zielgruppe der Blinden und Sehbehinderten im Mittelpunkt. Ich konnte deshalb beim interessantesten Teil der Offroad-Führung nicht dabei sein, sondern mußte irgendwo in der Pampa warten. Kein sehr angenehmes Gefühl, zumal ich ja alternativ auf eigene Faust beispielsweise den Schloßpark hätte erkunden können. Denn prinzipell gibt es hier auch etliche Möglichkeiten für Rollifahrer. - Für mich war dieser Termin vertane Zeit.

Unterwasserblick in den See (Aufnahmeort)
Ganz anders verlief daran anschließend unser Besuch im Nationalparkzentrum Schloß Orth. Während mich die komplett barrierefrei zugängliche Ausstellung im Haus nicht unbedingt vom Hocker riß, machte das sehr schöne Freigelände mit vielen interessanten Stationen im Schloßpark alles wieder wett. Die Idee mit dem interaktiven Landschaftstheater im ersten Raum der Ausstellung fand ich allerdings sehr nett und irgendwie typisch wienerisch. Verspielt, ein bissel kitschig und doch meine Phantasie anregend. Jedenfalls eine schöne Eröffnung.

Die Führung durch den umgestalteten Schlosspark erwies sich dann als Volltreffer und Entschädigung für den mich eher enttäuschenden ersten Teil des Tages. Nahezu perfekt barrierefrei (gut, über die Seil-Hängebrücke konnte ich nicht), gab es hier auch Dinge zu sehen, die ich so bisher noch nicht kannte. Ich denke dabei vor allem die Kadaverstation, wo an abgeschiedener Stelle ein totes Tier einfach dem natürlichen Zersetzungsprozeß überlassen wurde und die Besucher sich das anschauen können. Der Tod als Quelle neuen Lebens - faszinierend! Der Teich im Park war übrigens auch von unten her barrierefrei erreichbar. Durch große Glasscheiben konnte man wie in einem Aquarium der Unterwasserwelt einen Besuch abstatten. Hier hätte ich es stundenlang ausgehalten.

Alles in allem ein durchaus gelungener Auftakt der Reise, auch wenn es hier und da noch hakte. Mal sehen, was uns als nächstes erwartet.