23. Januar 2017

Verwegener Handstreich

Bereits seit mehreren Jahren habe ich mich gefragt, ob man im Winter mit dem Langlaufschlitten von Böhmisch Zinnwald (Cínovec) bis zum Graupener Sattel unterhalb des Mückenberges (Komáří hůrka) kommt. Dahin führen nur zwei Alternativen: Zum einen die Erzgebirgsskimagistrale KLM mit einem 1,4 km langen Steilabfall, oder aber der nicht vom Pistenbully gespurte Waldweg inklusive einer garstigen Schrägabfahrt.

Heute nun wollte ich es wissen. Daß ich mich zunächst gegen die KLM entschied, lag nahe. Denn die zu erwartende Abfahrt erschien mir viel zu steil, um einigermaßen heil durchzukommen. Außerdem wollte ich den technisch schwierigsten Teil zuerst hinter mich bringen. Der Weg durch den Wald und später den Abhang hinunter stellte sich wieder einmal als extrem anspruchsvolles Gelände heraus, da ich durch verschieden tiefe Spuren der Loipe sehr viel Kraft zum Abstützen investieren mußte, um mich senkrecht zu halten.

Kurz vor dem Hang kippte ich das erste Mal um, und auch während der Abfahrt im weichen Schnee benötigte ich Unterstützung. Aber bei dem kalten, doch wunderschönen Wetter waren genügend Leute unterwegs, die mir bereitwillig und unkompliziert zur Seite standen. Trotzdem: der Abschnitt zwischen dem Abzweig von der Skimagistrale und der Einmündung in die präparierte Loipe (s. Track vom 23.01., km 1,2 - 4,0) sollte nur dann befahren werden, wenn man sich sicher ist, daß notfalls auch Hilfe zur Verfügung steht.

Der Anbau des ehemaligen Forsthauses Siebengiebel
(Hájovna pod sedmi štíty) - Historische Ansicht und Aufnahmeort
Der Rest der Strecke war perfekt aufbereitet und ich kam sehr gut voran. Für Einsteiger mit dem Langlaufschlitten kann ich da eine richtig gute, ca. 7 km lange Runde empfehlen. Gestartet wird dabei vom Parkplatz Graupener Sattel im Uhrzeigersinn bis kurz vor den Resten des Forsthauses Siebengiebel, dann nimmt man die rechts abzweigende Loipe (die ich nicht benutzt habe) und erreicht nach einem knappen Kilometer meine Strecke vom Hinweg (s. Track vom 23.01., km 4,1 - 11,1). Um mit dem Auto nach Obergraupen (Horní Krupka) zu gelangen, muß man allerdings über die tschechische Seite von Graupen (Krupka) aus auf den Erzgebirgskamm fahren, denn die Landstraße von Böhmisch Zinnwald bzw. Adolfsgrün (Adolfov) wird im Winter nicht geräumt.

Der letzte Kracher des Tages war der gefürchtete Anstieg vom Sedmihůrská cesta hinauf auf den Kamm (s. Track vom 23.01., km 11,4 - 12,8). Doch es lief ganz gut, denn die Stöcke griffen wie Eispickel auf einem Gletscher. Der Schnee ist mittlerweile hervorragend verdichtet und ermöglicht dadurch solche Aktionen überhaupt erst.

Mitten am Berg ließen sich zwei Tschechen partout nicht davon abbringen, mir durch zusätzliches Schieben ca. 200 m lang ein paar Kilogramm abzunehmen. Aber so ist das, wenn man im Nachbarland mit den Leuten tschechisch redet. Und es gab heute einige, mit denen ich mich gut unterhalten konnte! Dabei waren meine Gesprächspartner wirklich lieb: mehrmals wurde mir versichert, wie gut ich doch tschechisch sprechen würde. Naja, das ist zwar vor lauter Nettigkeit ein bißchen übertrieben, aber durch die ständige Übung wächst bei mir nicht nur die Sprachpraxis, sondern auch das notwendige Selbstvertrauen, Tschechisch im Umgang zu benutzen. Diese Kenntnisse haben mir schon so manche Tür geöffnet! Die Toskanafahrten gehören auf jeden Fall dazu.

Schlußendlich noch eine Bemerkung zur Tour. Wiederholern im Langlaufschlitten rate ich, die Tour im Uhrzeigersinn und nur bei optimalen Schneeverhältnissen zu befahren - so, wie ich es heute getan habe.

Unterfordert wird man dabei dennoch nicht.

Track der Skilanglauftour vom 23.01.2017

22. Januar 2017

Ein Traum in Weiß

Mein tschechischer Kamerad laboriert an einer langwierigen Sache, die Freunde aus Gombsen sind am anderen Ende der Welt im Urlaub - also muß ich derzeit allein auf die Piste. Zwar gibt es in der Region weitere Rollifahrer mit Ambitionen zum Wintersport, aber ich habe absolut keine Lust, ihnen ständig hinterherzutelefonieren. Denn fast immer blieben meine Angebote zu gemeinsamen Touren ohne Resonanz.

Aber das ist auch nicht schlecht. Wenn ich nämlich allein unterwegs bin, kann ich mir den Tag ganz nach meinen Vorstellungen einrichten.  Wer, außer meinem Sportfreund Lád'a natürlich, würde sonst schon bei Sonnenaufgang nach 60 km Anfahrt auf den Skiern stehen?!

Diesmal hatte ich mir ein Tourengebiet ausgesucht, deren Strecken ich fast überhaupt noch nicht kannte - sieht man mal von einigen Teilstücken ab, auf denen ich bereits in der schneefreien Zeit mit dem Handbike war. Dementsprechend gründlich mußte die Planung sein - inkl. der "Modellierung" der Tour auf GSies.com bzw. Bikemap.net - um Informationen zum Streckenprofil zu erhalten. Meistens vergleiche ich dabei die Ergebnisse mehrerer Internetportale, um einigermaßen verläßliche Aussagen zu erhalten. Ein bißchen Ungewißheit bleibt aber immer ...

Skifahren, wo es am schönsten ist! (Aufnahmeort)
Links am Horizont ist übrigens ein Snowkiter mit seinem Schirm zu sehen.
Gestern jedenfalls lag ich goldrichtig! Nicht nur, daß beim Start am Parkplatz nahe der Fischerbaude in Holzhau der Loipeneinstieg problemlos klappte, auch das Streckenprofil war nahezu perfekt. Die von mir gewählte Fahrtrichtung stellte sich als optimal heraus, denn eine kurvenreiche und steile Passage befuhr ich im Aufstieg (s. Track vom 21.01., km 4,9 - 5,6). Auch der letzte Anstieg vor Langewiese (Dlouhá Louka) machte auf dem Rückweg hinab keine Probleme. Vom Umkehrpunkt hätte ich sogar gleich auf der Erzgebirgsskimagistrale (KLM - Krušnohorská lyžařská magistrála) weiterfahren können, aber das bemerkte ich erst nach der Rückkehr.

Jedenfalls besitzt das gesamte Gebiet für skilang"laufende" Rollifahrer enormes Potential. Aufgrund der Weitläufigkeit der Hochfläche sind die Pisten auch nicht so stark überlaufen, wie im Altenberg-Zinnwalder Revier. So verteilen sich die vielen Wintersportler aus Langewiese und Holzhau einfach im Gelände. Und die Loipen? Perfekt gespurt und gewalzt auf der gesamten Strecke!

So viel Freude im Schnee hatte ich lange nicht mehr, und das Heldenwetter trug gehörig dazu bei. Natürlich widerspiegelte sich das letzten Endes im Tagespensum. Auch wenn ich deshalb heute besser pausiere - hierher komme ich auf jeden Fall wieder! Die etwas weitere Anfahrt aus Pirna lohnt sich unbedingt.

Track der Skilanglauftour vom 21.01.2017

16. Januar 2017

Zuviel des Guten

Eine alte Weisheit: Die Tour ist erst dann beendet, wenn man wieder das Basislager erreicht hat. Das bestätigte sich bei meinem gestrigen Ausflug ins Osterzgebirge auf's Neue.

Doch zuvor kam das Skifahren. Inzwischen liegt im Gebirge so viel Schnee, wie zuletzt im Jahr 2010. Einen Parkplatz für das Auto zu finden, von wo aus man gleich mit dem Schlitten losfahren, dabei jedoch zuvor im Rolli auch ohne Hilfe alle notwendigen Vorbereitungen treffen kann, ist eine echte Herausforderung. Am Zinnwalder Paß sowie am Golfplatz in Böhmisch Zinnwald (Cínovec) mußte ich deswegen passen. Doch mein dritter Versuch war erfolgreich, denn diesmal durfte ich trotz des Verbots für Ortsfremde am Kindergarten in Georgenfeld parken, nachdem ich den Anwohnern dort meine Situation erläutert hatte.

Endlich konnte es endlich losgehen. Schon zu Beginn schneite es, aber im Wald war ich wenigstens vor dem stürmischen Wind geschützt. Fast den ganzen Tag über fielen die Flocken - mal mehr, mal weniger. Am Ende der Tour waren schon wieder mindestens 10 cm Neuschneee hinzugekommen.

Doch trotz des Wetters herrschte ordentlich Betrieb auf den Loipen. Ich hatte mich auf kein Ziel festgelegt und fuhr der Nase nach. Angesichts der vielen Leute, die sich immer wieder anboten, mir zu helfen, entschloß ich mich, auch neue Abschnitte zu testen. Die Loipe nach Altenberg hinunter, und von da aus wieder zurück, gehörte dazu. Leider gibt es dort auf einigen 100 m seitwärts abschüssige Piste sowie einen kurzen Steilaufschwung, so daß ich die Unterstützung der Skifahrer/innen mehrmals gern in Anspruch nahm (s. Track vom 15,01., km 3,7 / 3,9 und 4,2). - Auch eine Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu machen .... :-)

Der Stöcke griffen jedoch sehr gut, und der Schnee war auch nicht zu schnell, um auf Abfahrten und bei Anstiegen Schwierigkeiten zu bekommen. Die milderen Temperaturen der vorangegangenen Tage und die vielen Skifahrer hatten den Untergrund ausreichend verdichtet.

Vielleicht wäre es eine gute Idee, ein Winkehand fest am Schlitten zu installieren, denn meine Sonntagsrunde wurde wieder einmal eine Grußparade. Wen ich nicht alles unterwegs getroffen habe! Meinen ehemaligen Seilgefährten nebst Ehefrau sowie den Ex-Mann meiner Kumpeline mit Familie, Freunde aus dem tschechischen Sportklub von Lád'a (mit ihnen war ich schon mehrmals in der Toskana), eine ehemalige Beschäftigte meines Sanitätshauses usw. usf. Auch mit etlichen anderen Leuten auf der Piste ergab sich immer wieder ein nettes Gespräch. Es ist ein tolles Gefühl, ohne alles Mitleidgetue von den anderen anerkannt zu werden und selbst Respekt und Hochachtung erwiesen zu bekommen. Die gängigen Klischees der Öffentlichkeit über "den Rollifahrer an sich" widerlegt man jedenfalls so am besten.

Als ich nach der Rückkehr meinen ganzen Krempel verpackt und mich im Auto einsortiert hatte, sah ich mich im Geiste bereits wieder zuhause. Bald darauf wurde ich aber unsanft in die Realität zurückgeholt. Ein kleiner Haufen Schnee auf der Zufahrtsstraße war nämlich eigentlich eine große Schneewehe, in der ich mich festfuhr. Das Handy ohne Saft, blieben mir nur Rufe und die Autohupe, um auf meine mißliche Situation aufmerksam zu machen. Denn aussteigen konnte ich wegen des tief ausgefrästen Weges auch nicht mehr. Einmal mehr hatte ich Glück. Hilfe nahte, und nach mehreren vergeblichen Versuchen konnte mich schließlich der freundliche Nachbar, von dem ich am Morgen die Genehmigung zum Parken erhalten hatte, mit seinem Allrad-SUV wieder freischleppen. Ohne den engagierten und uneigennützigen Einsatz dreier Georgenfelder hätte ich richtig alt ausgesehen.

Also noch einmal an dieser Stelle ganz herzlichen Dank an euch, liebe Erzgebirgler!
Ein Privileg, hier daheim zu sein!

Track der Skilanglauftour vom 15.01.2017

10. Januar 2017

Ankommen ist alles

Meine gestrige Skitour im Osterzgebirge hatte es ganz schön in sich. Die Wegeverhältnisse einiger Abschnitte zu Beginn und ein steiler Anstieg stellten mich diesmal auf eine harte Probe.

Dabei hatte ich mich anfangs noch gar nicht entschieden, nach Schellerhau zu fahren. Doch auf dem Gabelweg hielt ich mich nach rechts, weil der Weg nach Aussage von mir entgegenkommenden Skiläufern in die Gegenrichtung nach Rehefeld führte. Das ist zwar richtig, allerdings gibt es zuvor gibt einen weiteren Abzweig zum Parkplatz an der Rehefelder Straße, von wo aus wir am Sonnabend gestartet sind.

Der darauffolgende knappe Kilometer wurde zu einem ziemlichen K(r)ampf, denn hier war der Pistenbully  (trotz anderslautender Informationen im Pistenbericht) noch nicht entlanggekommen. Im weichen und tiefen Schnee hatte ich auf der teils seitlich abschüssigen Spur viel Mühe, mich senkrecht zu halten. Weil ich einen großen Teil der Kraft zum Abstützen aufwenden mußte, ging es manchmal nur im Schneckentempo voran. - Was habe ich geschimpft!

Oberhalb von Schellerhau (Aufnahmeort)
Auf dem freien Feld wurde es dann besser, und kurz nach Mittag kam dann tatsächlich noch die Pistenraupe und legte eine schöne neue Spur. Danach war das Problem jedenfalls behoben. Auf dem Rückweg erwartete mich dafür ein heftiger Anstieg (s. Track vom 09.01., km 10,5 - 11,0). Diese 500 m hielten mich ganz schön auf Trab. Prinzpiell ließ sich der Berg zwar bewältigen, ein Problem gab es jedoch, wenn die Stöcke wegrutschten bzw. in dem weichen Schnee nicht mehr griffen. Zwei-, dreimal kam ich dabei ins Rückwärtsrutschen und konnte mich nur noch doch Umkippen bremsen.

Am Berg wieder in den Schlitten zu gelangen, ist schon ziemlich schwierig, genauso wie sich wieder in Fahrtrichtung auszurichten. Zum Glück kamen immer mal Skiläufer vorbei, die mir halfen und damit die Prozedur zeitlich abkürzten. Auch bei dem kurzen Steilstück auf der Abfahrt über den Seitenflügel (s. Track vom 09.01., km 11,4) mußte ich nochmal in den Schnee, aber da war es nicht mehr weit bis zum Ziel.

Insgesamt war die Tour ein hartes Stück Arbeit, auf der lediglich die ersten / letzten 1,5 km sowie die Loipe oberhalb von Schellerhau (s. Track vom 09.01., km 5,1 - 10,5) ein relativ entspanntes Fahrvergnügen boten. Aufgrund der Topologie empfehle ich Wiederholern, die Runde genau in dieser Richtung zu absolvieren - trotz der Befahrung entgegen der Einbahnstraßenregelung auf dem Seitenflügel. Noch ein Hinweis: Auf dem Parkplatz am Startpunkt beim Campingplatz in Altenberg gibt es außerhalb des beschrankten Areals zwei kostenfreie Parkplätze für Rollifahrer, die auch geräumt werden.

Track der Skilanglauftour vom 09.01.2017

8. Januar 2017

Weißer Start

Der Winter ist da. Noch vor einer Woche deutete nichts daraufhin, daß die Welt bald im Winterweiß versinken würde. Doch der viele Niederschlag in den letzten Tagen brachte selbst Pirna eine geschlossene Schneedecke. Im Osterzgebirge ist diese mittlerweile schon auf 60 cm angewachsen.

Optimale Bedingungen für den Wintersport also. Mir kommt das gerade sehr recht, denn mein Handbike wird jetzt erst einmal bei Bike24 wieder für die Saison flottgemacht. Da ich noch auf ein paar Ersatzteile von Schmicking warten muß - meine Kurbelwelle und etliche Lager sind z.B. inzwischen total verschlissen - ist diesbezüglich Geduld angesagt. Auf den Straßen verpasse ich derweil mit dem Rad aber nichts.

Großartige Fernsicht - nach Norden - vom Kahleberg (Aufnahmeort)
Bei klirrender Kälte um -10°C ging es gestern deshalb hinauf ins Altenberg-Zinnwalder Gebiet zum Langlaufskifahren. Zwar mußte mein tschechischer Kamerad krankheitsbedingt absagen, dafür brachte Kerstin unsere bewährte Isergebirgstruppe mit. Allerdings waren nicht alle gleich hundertprozentig fahrbereit, so daß wir uns zunächst aufteilen mußten. Nach einigem sprichwörtlichen Hin und Her (im Schnee und auf der Straße) fanden wir uns schlußendlich alle auf dem Gipfel des Kahlebergs. Zum Abschluß fuhren wir noch gemeinsam bis Zinnwald und danach vom Georgenfelder Hochmoor auf dem kürzesten Weg zurück zum Parkplatz.

Leider führte durch die Senke keine gespurte Loipe. Bei der Abfahrt lief das alles ja noch einigermaßen entspannt, zumal der Schnee gestern recht stumpf war. Der Anstieg danach im tiefen und lockeren Schnee wurde jedoch für Fränzi (meinem "Pferdchen" im Skitandem) und mich zu einem ziemlichen Kampf (s. Track vom 07.01., km 11,0 - 11,6), bei dem ich sogar die zusätzliche Schiebehilfe durch einen gerade auf der Strecke anwesenden Skifahrer dankbar akzeptierte. Übrigens: Auch der Anstieg auf dem Georgenfelder Weg zwischen Schneise 28 und Loipe Kahleberg (s. Track vom 07.01., km 1,7 - 2,4) war bei ähnlichen Bedingungen eine ordentliche Schinderei, bei der mich tapfer Elsa unterstützt hatte. So viel Schnee habe ich dort mit dem Langlaufschlitten noch nie erlebt.

Ingesamt war es eine schöne Runde, die natürlich noch ausbaufähig ist. Vielleicht werde ich mich morgen noch einmal allein in die Spur begeben. Heute jedoch lasse ich erst einmal die zahlreichen Schneeschauer durch.

Track der Skilanglauftour vom 07.01.2017

31. Dezember 2016

Allzeithoch

Keines war wie dieses: 2016 habe ich alle Rekorde gebrochen und zwei für mich wichtige Marken erreicht, die noch vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wären. Dabei ist die Mehrzahl meiner Touren gar nicht so spektakulär - doch die Masse macht es.

Zunächst laß ich nur mal die Zahlen für sich sprechen: Auf 113 Touren bin ich mehr als 12.563 km gefahren und habe dabei  131.258 Hm absolviert. Bis auf Januar und Februar standen dafür zehnmal in Folge über 1.000 km am Ende des Monats auf dem Tacho. Das gab es bei mir vorher noch nie! Auch mit der dabei erreichten Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,0 km/h kann ich vollkommen zufrieden sein, ging es doch auf meinen Ausflügen nicht nur sehr bergig zu, sondern sind darin auch etliche Offroadstrecken enthalten. Dort, wie auch bei einigen Regenfahrten, war machmal nur Schrittempo möglich, wollte ich vor unliebsamen Überraschungen verschont bleiben.

Betrachtet man den Gesamtüberblick aller seit 2004 erfaßten Daten (ab diesem Zeitpunkt habe ich einen Fahrradcomputer mit PC-Schnittstelle verwendet), wird man feststellen, daß dieses Ergebnis nicht einfach so im luftleeren Raum, sondern am Ende einer jahrelangen Entwicklung steht, bei der aus dem Freizeitsportler ein hart an seinem Limit agierender Handbiker geworden ist. Auch wenn für mich nach wie vor der Wettkampfsport kein Thema ist, halte ich es deshalb durchaus für möglich, mit der entsprechenden Ausrüstung und Unterstützung nach ausgiebigem Taktiktraining auch bei großen Wettbewerben um vordere Plätze mitfahren zu können. Nur will ich eben nicht GEGEN jemanden antreten, da ich das gemeinsame MITEINANDER als wesentlich erstrebenswerter einschätze.

Für alle diejenigen, die sich fragen, wie diese Daten überhaupt zustande gekommen sind, halte ich diesmal drei weitere kurze Übersichten (aus meiner favorisierten Software bikeXperience) bereit, welche die nach Monaten zusammengefaßten Werte in Kilometern, Höhenmetern und Anzal der Touren auflisten:
Am Ende aller Statistiken habe ich noch einmal alle meine Aktivitäten im Handbike zusammengefaßt, also auch diejenigen meiner ersten Jahre. Damals gab es noch keinen Fahrradcomputer mit Auswertungsmöglichkeiten am Rechner, und auch meine Tourentagebücher sind wegen des Elbehochwassers und sonstiger Wirrnisse nicht mehr vollständig erhalten. Die Daten von 2000 bis 2003 kann man aber angesichts der späteren Jahre auch vernachlässigen.
Trotzdem ist es schon verrückt! Da habe ich gerade erst die erfolgreichste Saison meiner Handbikerlaufbahn abgeschlossen, und schon geht der Blick nach vorn. Eine neue Herausforderung wartet auf mich, vielleicht die schwierigste in meinem Leben: Zu akzeptieren, daß ich nie mehr solche Werte erreichen werde, mir dabei jedoch trotzdem meine Freude am Leben, Glück und Zufriedenheit bewahren kann.

Zeit für Veränderung!

30. Dezember 2016

Jahresrückblick

In meiner jährlichen Abschlußbetrachtung trenne ich diesmal die Zusammenschau meiner Aktivitäten im Rollstuhl und Handbike von den nackten Zahlen. Abweichend von den vorangegangenen Beiträgen zum Jahresende, fallen die statistischen Übersichten nämlich etwas umfangreicher aus. Das würde jedoch den üblichen Rahmen sprengen.

2016 war für mich überaus ereignisreich. Allerdings nicht nur im positiven Sinne, denn meine Mutti ist Ende August schuldlos tödlich verunglückt, als sie mit dem Fahrrad unterwegs war. Aus diesem Grund widme ich ihr alle meine Erfolge und Aktivitäten des Jahres. Ohne ihre tatkräftige und uneigennützige Unterstützung würde ich - trotz vieler Freunde und Bekannter - heute nicht dort stehen, wo ich mich sehe. Daß ich mich so gut in mein Leben als Rollifahrer eingerichtet habe, ist nicht zuletzt ihr Verdienst.

Was aber waren die Höhepunkte in der abgelaufenen Saison?

Zwei Ziele standen am Anfang des Jahres auf meiner Wunschliste. In den Alpen wollte ich endlich meine einhundertste Anhöhe (Paß, Höhen- bzw. Panoramastraße, Gipfel o.ä.) erklimmen, nachdem ich 2002 zum ersten Mal einen Paß im Handbike bezwungen hatte. Außerdem visierte ich für mein Ende 2006 angeschafftes Handbike S3 von Schmicking eine große Schallmauer an. 100.000 km mit ein und denselben Gefährt innerhalb von 10 Jahren zu erreichen, ist aus meiner Sicht ziemlich ambitioniert. Doch bereits im August war das alles Geschichte.

In diesen Kontext ordnen sich dementsprechend meine Touren ein:
- 5 Langstrecken über 200 km, die mich zum Azaleen- und Rhododendronpark Kromlau, nach Böhmen bis Saaz (Žatec) an der Eger (Ohře) sowie auf den auf den Jeschken (Ještěd) bei Reichenberg (Liberec), weiter bis Döbeln und Riesa und außerdem durch das böhmisch-sächsische Erzgebirge führten.
- Meine dritte Frühlingsfahrt in die Toskana, gemeinsam mit den Kameraden aus dem Radsportklub meines tschechischen Kameraden Lád'a. Handbiketouren zu dieser Zeit an diesem Ort kann ich nur empfehlen!
- Mit Stefan vom TetraTeam und seinem Begleiter Bernd die Testbefahrung auf dem Elberadweg zwischen Dessau und Dresden auf Veranlassung der Koordininierungsstelle Süd des Fernradwegs, die ich anschließend auch ausgewertet habe.
- Mein alljährlicher Alpenurlaub zur Pässejagd im Handbike, nachdem ich zuvor mit Jens im Erzgebirge auf den Keilberg (Klínovec) und westlich davon zwei Touren unternommen hatte.

Natürlich bin ich im vergangenen Jahr auch wieder Langlaufski gefahren, meist im Tandem mit Kerstin oder auch mit Lád'a. Für mich sind diese Winterfreuden in der kalten Jahreszeit inzwischen viel mehr als nur eine Alternative zum Handbiken.

Daneben habe ich aber auch versucht, etwas von der Zuwendung zurückzugeben, die mir selbst im Laufe der Jahre zuteil wurde. Ich betrachte das ehrenamtliche Engagement als Selbstverständlichkeit und auch als Gelegenheit, neue Kontakt zu knüpfen bzw. bestehende Bekanntschaften zu pflegen. Deshalb habe ich mich auch über das Treffen mit den Leuten vom CKV Annaberg in der Familienferienstätte St.Ursula Naundorf sowie später in der Jugendherberge Hormersdorf gefreut. Vielleicht entwickelt sich daraus ja eine längerfristige Zusammenarbeit.

Die besteht bereits seit mehreren Jahren mit dem NationalparkZentrum des Nationalparks Sächsische Schweiz in Bad Schandau. Im September ging es nun unter dem Dach von EUROPARC Deutschland im Rahmen eines Projekts zur Barrierefreiheit und Inklusion in den Schutzgebieten nach Österreich auf Studienfahrt. Etliche Macher und Engagierte habe ich dabei kennengelernt, und vielleicht auch manchem Teilnehmer sowie den Verantwortlichen vor Ort mit meinem Standpunkt neue Gedanken zum Thema vermitteln können. Die Erkenntnisse dieses Aufenthalts habe ich schließlich noch einmal in einem Projektbericht zusammengefaßt, damit auch weitere Interessierte davon profitieren können.

Vielen Dank!
Falls jetzt der Eindruck entstanden ist, daß es hier immer nur um mich geht, so möchte ich das korrigieren. Nichts ist mir so wichtig, als wie das gemeinschaftliche Erleben. Ob nun meine Verwandten, Freunde und Begleiter ohne Handicap oder auch andere Rollifahrer, mit denen ich auf Achse bin - alle sind Voraussetzung und Teil meines Erfolges. Sie müssen nicht so verrückt sein wie ich, dennoch möchte ich keinesfalls die Unternehmungen mit ihnen missen. Ihnen also danke ich von ganzem Herzen für ihre Unterstützung, für die gemeinsamen Touren und den gegenseitigen Austausch.

Ehre, wem Ehre gebührt!

PS: Wer sich noch einige fotografische Impressionen von Höhepunkten meiner sportlichen Aktivitäten im Handbike anschauen möchte, dem empfehle ich meinen Beitrag auf Handbike.de.