19. November 2017

Die Nacht ist mein Freund

Vielleicht ist es schon eine Manie, daß ich so zeitig aufstehe. Doch auch an diesem Wochenende gab es triftige Gründe dafür: am Sonnabend war ich bereits kurz nach neun mit Šárka und Lád'a in Tetschen (Děčín) verabredet, und sonntags sollte es ab Mittag wieder regnen.

Jedenfalls bin ich an beiden Tagen einiges vor 4.00 Uhr in der Frühe aufgestanden, so daß ich schließlich 5.30 Uhr losfahren konnte. Die 1,5 Stunden benötige ich am Morgen, denn oft plane ich die Strecke - abhängig von der Witterung - erst unmittelbar am Tourentag. Das zeitige Aufstehen macht mir jedoch überhaupt nichts aus, weil ich mich dann am Abend zuvor eben schon zwischen 20.00 und 20.30 Uhr in die Horizontale begebe. Als Single habe ich da alle Freiheiten ...

Ich liebe diese ersten knapp zwei Stunden im Dunkeln! Du bist stundenlang allein auf sonst vielbefahrenen Straßen unterwegs, du erlebst, wie der Morgen heraufzieht  - mit all den poetischen Momenten, und nicht zuletzt sparst Du einiges an Kraft. In der Nacht schläft nämlich auch meist der Wind. Deshalb bin ich heute zunächst nach Westen entgegen der prognostizierten Windrichtung gefahren und hatte dann, als er auffrischte, den Wind im Rücken.

Mit Šárka am Fuchsteich im Cunnersdorfer Forst, Lád'a hat fotografiert
(Aufnahmeort)
Schön war wieder mein Ausflug mit Fam. Eichler. Zwar fiel das erhoffte Gastspiel der Sonne aus, und auf der Anfahrt mußte ich mich bei Hohburkersdorf sogar durch dichten Nebel tasten. Aber zu dritt ist das Fahren noch einmal so schön. Jedesmal gibt es viel zu erzählen, doch auch auf den Bildern ist nicht immer nur bloße Landschaft zu sehen. Allerdings habe ich mich diesmal ein bißchen geärgert, daß ich ohne es zu merken, die Bildauflösung meines Fotoapparats versehentlich geändert hatte. Das muß wohl vor 14 Tagen beim Dreh einer kurzen Videosequenz für's Stadtradeln (10-Sekunden-Clip als AVI-Datei) passiert sein. So ist das Bild im Beitrag etwas klein geraten. Trostpflaster: Ich habe von den Stadtradeln-Teilnahmepreisen einen neuen Fahrradhelm abgefaßt. - Ich als Helm-Muffel!!!

Auf meinem Sonntagsausflug bin ich gleich zweimal auf Radtrassen ehemaliger Bahnstrecken gefahren. Im Umkreis der Landeshauptstadt gibt es davon etliche. Sachsen war einmal das Land mit einem der dichtesten Streckennetze für Schmalspurbahnen. Eine Empfehlung ist hierbei nicht nur der prima ausgebaute Radweg der Strecke durchs Schönfelder Hochland (s. Track vom 19.11., km 61,9 - 72,5), sondern auch die ehemalige Windbergbahn (s. Track vom 19.11., km 27,6 - 35,2). Bei letzterer muß inzwischen nur noch ein kurzes Stück (km 34,4 - 35,2) auf einer nicht asphaltierten, leicht holperigen, doch gut befestigten Piste bewältigt werden. Mein "Touren-Looping" dort in Streckenmitte lag an einer kleinen Unaufmerksamkeit meinerseits, als ich den Abzweig zur eigentlichen Trasse verpaßte.

Gegen Ende meiner heutigen Runde begann es, auf der Bremsscheibe zu kratzen. Die Beläge sind wohl wieder mal fällig. Morgen werde ich sie wechseln, bei durchschnittlich 5 Paar pro Jahr habe ich mittlerweile einige Routine. Für das restliche Jahr sollten sie dann aber halten.

Es sind ja nur noch 900 km.

Track der Handbiketour vom 18.11.2017
Track der Handbiketour vom 19.11.2017

12. November 2017

Fehlalarm

Wo war der Regen? - Die Meteorologen hatten auch für meine Heimat ein nasses Wochenende angekündigt. Die Vorhersage auf Meteomedia verhieß gleichfalls Niederschlag ab der zweiten Tageshälfte.

Deshalb startete ich an den beiden vergangenen Tagen wieder mal sehr, sehr zeitig - will sagen 5.30 bzw. 5.50 Uhr, nachdem ich zuvor beim Aufstehen das Regenradar bei Wetteronline intensiv studiert hatte. Aus diesen, im Internet verfügbaren Informationen erstelle ich mir immer meinen persönlichen Wetterbericht, auf Basis dessen ich dann entscheide, ob ich fahre oder doch lieber im Bett bleibe.

Am Sonnabend sollte es auch kräftigen Westwind geben, und der machte mir an diesem Tag tatsächlich das Leben schwer. Das Streckenprofil meiner Tour war zwar recht flach, doch über das offene Land mußte ich mich deshalb trotzdem endlos mühen. Bis kurz vor Birkenhain büßte ich viel Zeit ein. Ärgerlich war auch, daß die Brücke an der Neudeckmühle (s. Track vom 11.11, km 51,6) gerade neu errichtet wird und für Fußgänger nur ein extrem verwinkelter Behelfssteg zur Verfügung stand. Mit meinem Handbike hatte ich da keine Chance. Statt eines Versuches mit ungewissen Ausgang, drehte ich lieber um und fuhr danach über Sachsdorf nach Klipphausen.

Ab Tharandt schob mich dann endlich der Wind und blieb mir bis Pirna treu. Meinen Virtual Partner konnte ich allerdings nicht mehr einholen. Das war jedoch locker zu verschmerzen, denn es fiel bis zum Ende der Tour kein einziger Tropfen. Selbst abends, als St. Martin auf seinem Pferd die Kinder mit ihren Eltern auf dem Marktplatz begrüßte, regnete es noch nicht. Ich habe mich für sie gefreut.

Sonntags dann fast das gleiche Szenario. Diesmal meinte es der Wind jedoch gut mit mir. Bis zum Umkehrpunkt wehte er erst aus Richtung Westen, später aber drehte er und half mir nachhause. Dafür ging es heute bei den Höhenmetern richtig zur Sache. Gerade, wenn man als Radler im linkselbischen Teil des Elbsandsteingebirges von West nach Ost bzw. umgekehrt fährt, sind dabei nämlich etliche Täler zu durchqueren. Nicht schnell, doch stetig arbeitete ich mich also ostwärts voran, bis ich endlich von Reinhardtsdorf durch den Hirschgrund hinunter zum Elbradweg rollte.

Eigentlich wollte ich danach ab Porschdorf hinter Bad Schandau im Polenztal weiter zur Wartenbergstraße fahren, doch dort angekommen, hatte ich keine Lust mehr auf Offroad. Die Kletterei durch den Tiefen Grund ist mir jedenfalls lieber gewesen, auch weil sich die Auffahrt bis auf eine ca. 300 m lange 12%-Rampe flüssig fahren läßt. So kamen noch ein paar zusätzliche Höhenmeter zusammen, schließlich mußte ich ein paar Kilometer später noch einmal quer durch das Polenztal. Alles in allem jedoch verlief der zweite Teil der Tour jedoch wesentlich entspannter.

Dafür endete auch meine zweite Wochenendtour schon vor 14.00 Uhr, und es blieb der ganze Nachmittag zum Entspannen. Nichts war bei diesem kühlen Wetter dann schöner, als ein heißes Vollbad zum Aufwärmen.

Danach ging's mir noch mal so gut.

Track der Handbiketour vom 11.11.2017
Track der Handbiketour vom 12.11.2017

5. November 2017

Was geht?

Falls sich jemand wundern sollte, daß ich beispielsweise auch an diesen Tagen so häufig unterwegs gewesen bin: Ganz hinten am Horizont taucht ein Ziel auf, welches ich durchaus bis Jahresende schaffen kann. Aktuell sind es bei mir nämlich 11.659 km und 119.758 Hm ...

Für uns im Einsatz! (Aufnahmeort)
Bereits am Freitag startete ich mit dem Handbike ins Wochenende. Da bekam ich kurzfristig von meinem Chef die Genehmigung, Stunden abzufeiern. Als Aufwärmtour für die nachfolgenden Vorhaben war das flache Streckenprofil gerade gut genug für eine schnelle Runde ohne großen Krafteinsatz. Zudem meide ich gegenwärtig die Wälder des Elbsandstein- und Osterzgebirges, da dort nach dem verheerenden Sturm bestimmt noch eine ganze Weile aufgeräumt werden muß. Expeditionen wollte ich mir jedenfalls nicht zumuten.

Im offenen Gelände gibt es jetzt auch genug zu sehen. Es war beispielsweise für mich sehr interessant, eine Weile bei der Maisernte zuzuschauen. - Ein Hoch auf die Bauern! Sie sind es, deren Hände Arbeit uns alle ernährt.

Ebenso kurzfristig fragte Lád'a am Freitagabend mal wieder wegen einer gemeinsamen Tour an. Klar, daß wir dann am nächsten Tag gemeinsam unterwegs waren. Nicht nur ich bin sehr gern im von mir so genannten Tetschener Hochland, dem Gebiet zwischen Aussig (Ústí nad Labem), Tetschen (Děčín) und dem Tal des Eulaubachs. Inzwischen wurden etliche der alten verwitterten Straßen erneuert, was das Fahren dort wesentlich attraktiver macht. Allerdings wunderte ich mich, als Lád'a mit seinem Rennrad trotz meiner Warnung der Straße hinunter nach Klein Tschochau (Šachov) folgte. Der Abschnitt vom Dorf in Richtung Gleimen (Hliněná) ist nämlich eine Offroad-Abfahrt auf Schotter (s. Track vom 04.11., km 47,9 - 48,9). Bei unserer Befahrung stellte sich dann sogar heraus, daß ca. 50 m des Weges durch Ausspülung inzwischen stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde, als ich es von früher kannte. Ganz allein im Handbike ist es nun ziemlich riskant, weil man dieses Stück definitiv nicht mehr ohne Hilfe zurückkommt, falls danach ein Hindernis den Weg versperren sollte. Lád'a jedoch nahm letztendlich sein Rad in die Hand und ging zu Fuß die kritischen Meter. Für ihn war der Weg wirklich neu.

Das Elbtal im Nebel (Aufnahmeort)
Anschließend begleitete mich mein tschechischer Kamerad weiter bis Cunnersdorf, wo er sich von mir verabschiedete und zurück über die Berge nach Kulm (Chlumec) fuhr. Zuvor hatten wir auf halber Strecke mittags einen Zwischenstop in Niedergrund (Dolní Žleb) gemacht, denn Lád'a spendierte eine Freiluft-Suppe aus dem Restaurant Dolní Grund (das heißt wirklich so - witzig, wie die alte deutsche und die tschechische Bezeichnung miteinander vermischt wurden). Etwas Warmes im Bauch tut bei diesen Temperaturen einfach nur gut, und geschmeckt hat's auch.

Auch bei meinem heutigen Ausflug fuhr ich recht zeitig, also im Dunkeln, los. Für den frühen Nachmittag war Regen angekündigt, den ich mir unbedingt ersparen wollte. Dafür blies der Wind sehr kräftig aus Südost und kostete mich viel Kraft und Ausdauer, bis ich ihn endlich im Rücken hatte. Auf dem Heimweg legte er sich etwas, so daß es nicht der befürchtete Kampf wurde. Trotzdem forderten die ersten beiden Touren ihren Tribut, und das drückte auf das Tempo. Überraschenderweise kamen heute auch mehr Höhenmeter zusammen, als erwartet. Bikemap.net untertreibt wirklich sehr oft um etwa 200 Hm auf 100 km. Vielleicht liegt's ja vor allem am hügeligen Gelände mit dem häufigen Hoch und Runter. Im Flachland und in den Alpen sind die Werte realistischer.

Bleiben noch 1341 km bis zur Endabrechnung ...

Track der Handbiketour vom 03.11.2017
Track der Handbiketour vom 04.11.2017
Track der Handbiketour vom 05.11.2017

31. Oktober 2017

Nur für Kilometerfresser

Angesichts des naßkalten und windigen Wetters genehmige ich mir heute einen tourenfreien Tag. Mit dem Wind hatte ich bereits auf meiner vorangegangenen Ausfahrt genug zu kämpfen, den Regen gab's dafür am Sonnabend. Da bin ich noch einmal in Richtung Osterzgebirge gefahren. Um diese Zeit kann man sich nicht mehr sicher sein, ob beim nächsten Mal nicht schon Schnee auf den Wiesen liegt, wie auf dem Bild von Geising im Oktober 2009 zu sehen ist.

Die Straße durch das Müglitztal ist trotz des Kraftverkehrs - der sich zu früher Stunde jedoch in Grenzen hält - meine Lieblingsanfahrt. Für mich hat das Fahren auf ihr inzwischen beinahe meditativen Charakter, denn beim stetig leichten Bergauf der kurvenreichen Straße kann ich komplett abschalten. Nur die Bewegung zählt. Überdies ist die Strecke eine nahezu idealtypische Auffahrt, bei der ohne einen einzigen Meter Höhenverlust auf rund 40 km mehr als 700 Höhenmeter bewältigt werden (s. a. das Höhenprofils des Tracks vom 28.10.). - Der ausdauernde Nieselregen war dennoch unangenehm.

Diesmal bog ich in Geising von der Hauptstraße nach Altenberg ab, um am Ortsausgang hinter dem Hüttenteich auf einem fast vergessenen, jedoch perfekt asphaltierten Radweg hinauf nach Fürstenau zu klettern (s. Track vom 28.10., km 43,9 - 46,8). So einsam, so idyllisch war es dort hinten. Während ich sonst eher auf der böhmischen Seite entlang der Grenze fahre, ging es anschließend weiter durch die deutschen Grenzorte Müglitz, Fürstenau, Liebenau (Ortseingang), Breitenau, Oelsen (Ortseingang) und Hellendorf. Auch das ist in weiten Teilen eine sehr abgelegene Ecke, wo ich auf hervorragend asphaltierten Straßen während dieser mehr als 20 Kilometer nur etwa einer Handvoll Autos begegnet bin. Gerade das aber macht die Gegend für mich so reizvoll.

Den Sonntag verbrachte ich in meinen vier Wänden. Bei dem Sturm, der bedenklich an den Dachziegeln meiner Dachgeschoßwohnung rüttelte, verboten sich nahezu von selbst jegliche Außenaktivitäten.

Die Ergebnisse des Tages konnte ich dafür dann gestern in Natur begutachten. Auf meinem Rückweg mit dem Handbike von Saupsdorf durch das Kirnitzschtal nach Bad Schandau mußte ich dabei einen ungeplanten Umweg über als "Radroute im Nationalpark" ausgeschilderte Forststraßen in Kauf nehmen, um ans Ziel zu gelangen (s. Track vom 30.10., km 69,7 - 74,1). Im Tal waren etliche Bäume umgestürzt, teilweise sogar über die Straße hinweg. Manchmal hatten sie zugleich auch das gesamte Erdreich mitgerissen und die Felsen, auf denen sie standen, dadurch "skalpiert". Die Männer vom THW, Forst und Feuerwehr waren bestimmt schon seit den Morgenstunden im Dauereinsatz, jedenfalls ließen das die zahlreichen beräumten Stellen entlang der Straße vermuten. Doch das Stück zwischen Neumann- und Felsenmühle wurde gerade noch freigeschnitten und zwang mich zu dem Extrazackel. Bloß gut, daß keine umgestürzten Bäume mehr auf der Ausweichstrecke lagen!

Bei Rathen stehen die Felsen der Bastei wie eine Mauer über der Elbe
(Aufnahmeort)
1,5 Stunden zuvor hatte ich am Grenzübergang Sebnitz dafür wieder einmal eines jener seltenen Erlebnisse der anderen Art. Wenn ich auf der Hauptstraße mit meinem Handbike fahre, kommt es ab und zu vor, daß Autofahrer dennoch aus einer links mündenden Nebenstraße in diese einbiegen, obwohl ich mich bereits im Kreuzungsbereich befinde. Sie fahren dann einen engeren Bogen und lassen mir damit genügend Platz zum Weiterfahren. Für sie ist es ok, und für mich geht das auch in Ordnung, denn jeder beobachtet beim Abbiegevorgang den anderen. Leben und leben lassen ... Gestern aber lief es nicht so. Da kam die Fahrerin mir bedrohlich nah, so daß ich wütend mit der Hand gegen ihr Auto schlug (man sieht: es war also wirklich knapp). Erschrocken fuhr die ältere Dame unmittelbar danach rechts ran und hielt. Sie fragte mich, ob mir etwas passiert wäre, und entschuldigte sich wortreich. Sie hätte mich überhaupt nicht bemerkt. Mein Zorn war damit augenblicklich verraucht.

Wer sich zu einem eigenen Fehler bekennt und sich auch noch angemessen dafür entschuldigt, statt nach Ausreden zu suchen, hat bei mir immer gute Karten. Einsicht und das Anerkennen eigener Fehler sind Tugenden, die in unserer Zeit immer mehr verloren gehen. Doch bei so viel Anstand konnte ich einfach nicht mehr böse sein.

Jeder sollte sich mal selbst an die eigene Nase fassen!

Track der Handbiketour vom 28.10.2017
Track der Handbiketour vom 30.10.2017

22. Oktober 2017

Farbenspiel

Die herbstliche Farbenpracht ist noch nicht vorbei! Zwar fallen die Blätter und geben dadurch manch interessanten Blick (endlich) frei, aber ein schon paar Sonnenstrahlen bringen die Berghänge zum Leuchten.

Sonnabends hatte ich mir eine Tour nördlich von Pirna zusammengestellt. Dorthin geht es bei mir oft, wenn ich mal nicht so viele und vor allem lange bzw. steile Anstiege fahren möchte. Zum Warmfahren erlaubte ich zunächst ein paar Zacken südlich von Dresden, u. a. durch die großen Apfelplantagen des Borthener Anbaugebiets. Erstaunlicherweise hatte ich bereits die ersten 500 Hm weg, als ich über das Blaue Wunder auf die andere Elbseite wechselte.

Später brachte mich die Grundstraße aus dem Elbtal - diese fahre ich trotz des starken Verkehrs wegen ihrer moderaten Steigungswerte recht gern. Alle anderen Auffahrten des Dresdener Elbhangs sind kürzer, aber dafür auch wesentlich steiler. Selbst 20%-Rampen kann man sich hier antun.

Anschließend rollte es so vor sich hin, ohne große Höhepunkte immer hübsch gleichmäßig. Genau richtig zum Abschalten. Leider büßte ich kurz vor Hohburkersdorf die dort am Anstieg gewonnenen Höhenmeter ein, denn diesmal schickte mich der Straßenbauarbeiter zurück, weil der neue Belag gerade gewalzt wurde. Warum sollte ich diskutieren, er hatte ja recht. Dann fuhr ich eben nicht über Rathen nachhause, das war ja ursprünglich sowieso nicht geplant. Etwas verwundert war ich am Ende über die mehr als 1200 Hm Gesamtbilanz, denn das hatte ich bei diesem Streckenverlauf nicht vermutet.

Nach meiner Rückkehr ein bißchen Körperpflege und weiter mit dem Auto zu Freunden, wo der erste Spieleabend der (Winter-)Saison anstand. Nun werden wir uns in der dunklen Jahreszeit wieder regelmäßig zum Schmausen, Schwatzen und Spielen treffen. - Ich liebe diese geselligen Abende!

Die zweite Nachthälfte war nicht nur zum Schlafen gut, sondern auch dafür da, um ein größeres Regengebiet durchziehen zu lassen. Deshalb konnte ich auch ohne schlechtes Gewissen heute erst gegen 7.00 Uhr in die Gänge kommen, bis zum Start der Ausfahrt wurde es kurz vor neun.

Auf dem Elberadweg durch den sogenannten "Kaňon Labe"
(tsch. Labe = dt. Elbe, Aufnahmeort)

Die Berge hatte ich diesmal im reichlichen ersten Drittel zusammengefaßt, denn später wollte ich auf dem Elberadweg gemütlich von Tetschen-Bodenbach (Děčín-Podmokly) zurück nach Pirna fahren. Ab Mittag riß der Himmel auf und bescherte mir für den Rest der Strecke viel Sonne. Noch spendet sie genügend Wärme, um mich einiger Sachen entledigen zu können. Und das Festival der Herbstfarben ist eine Pracht, auch wenn etwas von Abschiedsstimmung in der Luft liegt.

Bekannte von mir fahren über den Winter immer in den Süden, heute auf dem Heimweg sah ich, wie sie gerade ihren Camper packten. Ich jedoch bleibe hier, und das nicht nur wegen der Arbeit.

Zuhause ist es am schönsten!

Track der Handbiketour vom 21.10.2017
Track der Handbiketour vom 22.10.2017

17. Oktober 2017

Fiasko

Wie bereits angekündigt, war ich gestern in Begleitung unterwegs.

Bevor Micha in Sebnitz zu mir stieß und wir dann zu einer Tour rund um Neustadt aufbrachen, fuhr ich auf der Anfahrt ein paar Umwege zum Warmwerden. Natürlich hatte ich vorher die Strecke geplant, aber da noch viel Zeit bis zum vereinbarten Termin blieb, erweiterte ich unterwegs wieder mal spontan die Route. Die letzte Änderungsidee ging dabei voll in die Hose.

Da wollte ich nämlich von Kohlmühle aus (s. Track vom 16.10., km 43,1) über Sebnitz- und Schwarzbachtal direkt nach Lohsdorf fahren. Doch schon die ersten Meter wurden ziemlich beschwerlich, denn es galt, über eine nasse Wiese auf matschigen Fahrspuren zur ersten Brücke über die Sebnitz zu fahren. Dort stellte sich heraus, daß die Rampe auf der Abfahrt von dieser bereits wieder weggespült war und ich somit ohne Hilfe wohl nicht wieder zurückkam. Etwas weiter, am Bahnwärterhäuschen, mühte ich mich danach minutenlang an einer sonst leichten Auffahrt durch tiefen, lockeren Split. Hurra! Der Anstieg in Richtung wüste Buttermilchmühle ließ sich dann ganz gut bewältigen, aber die Abfahrt auf der Gegenseite sah so aus, als ob man nicht allein wieder dort hochkommen würde. Also ein klassischer "Falltüren"weg (in die eine Richtung befahrbar, in die andere nicht). Es wurde spannend. Dann die Ernüchterung. Vor der zweiten Brücke lag quer umgestürzt und so, daß er nicht umfahren werden konnte, ein Baum. Drunter durch ging nicht, darüber kam ich natürlich ebenfalls nicht. Das Drama nahm seinen Lauf.

Höhepunkt war, daß ich auf den letzten 20 m der zuvor hinter mich gebrachten Abfahrt vom Handbike runter und den Hang aufwärtsrobben mußte - dabei mein Rad immer stückweise hinter mir herziehend. So etwas ist mir in all den Jahren bisher nur einmal in der Toskana passiert, als ich ebenfalls mutterseelenallein einen Küstenweg befuhr (s. Tour, ca. km 15). Mein Versuch, über den Forstweg hoch nach Altendorf auszubrechen, scheiterte schon bald aufgrund der Steilheit des Geländes. Beim nächsten Hindernis auf dem Rückweg hatte ich dann jedoch mehr Glück, denn inzwischen war am Bahnwärterhäuschen ein Einheimischer, der mir auf meine Bitte hin bereitwillig über die Brücke half. Nach dem Schlammparcours über die Wiese - wo ich noch einmal steckenblieb und mich mühsam wieder selbst befreien mußte - erreichte ich ziemlich mitgenommen und verdreckt nach mehr als einer Stunde endlich wieder gut befahrbaren Untergrund.

Abend am Amselsee (Aufnahmeort)
Es grenzt an ein Wunder, daß ich trotzdem rechtzeitig am vereinbarten Treffpunkt war. Es wurde sozusagen eine Punktlandung, fast auf die Minute genau. Danach führte unsere Ausfahrt zwar immer ordentlich bergauf, bergab, doch weitere unangenehme Überraschungen blieben mir erspart. Allerdings mußte mein Kamerad mehr als sonst auf mich Rücksicht nehmen, denn ich hatte mich bei der vorangegangenen Aktion ziemlich verausgabt. Für seine Geduld gab es zur Belohnung etliche Kilometer perfekte Radwege abseits der Straße, die Micha zum Teil noch nicht kannte, durch eine sonnigwarme Idylle. Auf unserem "Grenzdurchbruch" unweit der Hohwaldschänke (s. Track vom 16.10., km 87,5 - 89,3) mußten wir dann ebenfalls ein paar schlammige hundert Meter überstehen, doch diesmal hatte ich zur Not ja tatkräftige Unterstützung bei mir. Auf bestem Asphalt rollten wir schließlich gemeinsam zurück nach Sebnitz.

Erst 15.15 Uhr startete ich zur letzten Etappe in Richtung Heimat, aber trotz der drei größeren Anstiege, die mich ordentlich auf Temperatur brachten, kam ich verhältnismäßig gut voran. Dabei erwies es sich als ein guter Einfall, den Wanderweg hinunter zum Amselsee nach Rathen zu benutzen. Im Abendlicht war es im tiefen Amselgrund ohne die Besuchermassen des Tages wunderschön. Hoch oben thronte Talwächter und spiegelte sich im Wasser. Meine Gedanken schweiften hinauf zum Gipfel, auf dem ich als Bergsteiger mehrmals gestanden hatte.

Emotionen, passend zum Herbst und zum Sonnenuntergang.

Track der Handbiketour vom 16.10.2017

14. Oktober 2017

6 Uhr morgens

Der letzte Tourentag begann so, wie die beiden vorangegangenen. Mit einem frisch zubereiteten Frühstück - auf Wunsch eines einzelnen Herrn natürlich früh um sechs. Großartig, daß dies hier möglich war und man eben nicht nur am Abend vorher ein Lunchpaket zur Verfügung gestellt bekam.  Bei all den leckeren Sachen dauerte es bei mir sogar jedes Mal etwas länger, als sonst für die bloße "Nahrungsaufnahme" üblich.

So fängt der Tag gut an! (Aufnahmeort)
Danach ging es auf die Piste, heute nach Norden. Zwei Kultur-Ziele wollte ich dabei in Augenschein nehmen, einmal die Begräbnisstätte der Familie Siemens in Ahlsdorf und kurz darauf Schloß Wiepersdorf, dem ehemaligen Wohnsitz von Bettina und Achim von Arnim.

Auf dem Weg dorthin  kam ich mir fast wie in der Schwemmlandebene rund um Grosseto in der Toskana vor: durch die brettebene Landschaft verliefen entlang von Kanälen kilometerlang schnurgerade perfekt asphaltierte und für den Kraftverkehr gesperrte Radstraßen. Der Abschnitt km 7,2 - 11,2 dürfte selbst für anspruchsvolle Wettkämpfer die optimale Strecke für ein Intervalltraining sein.

Von der Siemens-Grablege war ich, als ich das Mausoleum im Dickicht endlich gefunden hatte, ziemlich enttäuscht. Der Park in Ahlsdorf ist völlig verwildert und das Areal wirkt sehr vernachlässigt (s. Track vom 14.10., km 25,5). Wenn schon die Kommune kein Geld für die Pflege aufbringen kann, wieso kümmern sich darum nicht die heutigen Mitglieder der Familie Siemens? Ehrt man so die Vorfahren, auf deren Verdienste sich ein ganzes Firmenimperium gründet?! - So etwas nenne ich einfach nur schäbig.

Dagegen ist Schloß Wiepersdorf ein wahres Schmuckstück. Kein Wunder, hier engagiert sich ja auch die "Deutsche Stiftung Denkmalschutz" sowie das Land Brandenburg. Das Schloß dient derzeit als Künstlerhaus.

Fototermin in Dahme/Mark (Aufnahmeort)
Vor dem vereinbarten Treffen mit dem Mitarbeiter für das Marketing des ElsterParks in Dahme/Elster blieb noch so viel Zeit, daß ich im Norden ein paar zusätzliche Kilometer an den Tourenvorschlag anhängte. Überraschend für mich, befand ich mich plötzlich auf dem perfekt ausgebauten Fläming-Skate. Vor etlichen Jahren war ich hier schon einmal mit dem Handbike auf Achse. Den heutigen Streckenabschnitt kannte ich allerdings noch nicht.

Nach dem Fototermin in Dahme begleitete mich Robert noch bis zum Körbaer Teich. Doch, oh Schreck: als ich mit meinem Apparat die Szenerie ablichten wollte, griff meine Hand ins Leere. Nur das abgerissene Band war noch am Handbike, vom Foto fehlte jede Spur. Damit war unser Ausflug jäh zu Ende. Gemeinsam fuhren wir wieder auf der gleichen Strecke nach Dahme zurück, immer Ausschau haltend nach dem verlorenen Gerät. Die Chancen für ein Wiederfinden standen denkbar schlecht, und tatsächlich war die Suche auf den ganzen 7 km erfolglos. Erst als ich mir den Verlust bereits eingestehen wollte, grinste mich die Fototasche samt Gerät auf der Wiese des Kirchhofs, dem Ort unseres zweiten Fototermins, an. Was habe ich mich gefreut!

Schließlich bin ich nicht auf dem kürzesten Weg zurück nach Herzberg gefahren, denn ich hatte mich bereits entschieden, am Sonntag nach dem Frühstück ohne weitere Tour nachhause zu fahren. Ein Ruhetag kann nicht schaden, denn Anfang nächster Woche möchte ich noch einmal mit meinem Ex-Lieblingsarbeitskollegen eine Runde auf dem Radl drehen.

Dann wieder in den Bergen.

Track der Handbiketour vom 14.10.2017