28. August 2016

Frohe Kunde

Von der ersten Tour in der Heimat nach meiner Rückkehr aus den Alpen gibt es durchaus Erfreuliches zu berichten. Doch der Reihe nach.

Wegen der zu erwartenden Hitze habe ich an beiden Wochenendtagen meine Handbike-Aktivitäten zeitlich vorverlegt. Sonnabends ging es zunächst in östliche Richtung, natürlich mit Schwerpunkt Elbsandsteingebirge. Die vielen tiefen Täler der Hinteren Sächsisch-Böhmischen Schweiz spenden noch lange am Tag Schatten und Kühle.

Auf dem Weg dorthin nahm ich jedoch einen kleinen Umweg. Ein Arbeitskollege hatte mir vor einiger Zeit Bilder von der Bogenbrücke über die Sebnitz (Bach) gezeigt, deren Zugang beim Hochwasser 2010 zerstört worden war. In der Zwischenzeit hatte man diese zwar wieder repariert, aber ein anstelle der zerstörten Brücke bei der ehemaligen Buttermilchmühle neu errichteter Übergang war nun nur noch über Stufen zugänglich. Auf den Bildern sah es allerdings so aus, als ob zumindest die Bogenbrücke wieder barrierefrei befahrbar wäre. Anlaß für mich, dort nach 6 Jahren mal wieder vorbeizuschauen. Aufgrund der unzugänglichen Brücken ist nämlich sonst die Befahrung des Schwarzbachtals für Handbiker eine Sackgasse.

Die Brücke an der Wüstung der Buttermilchmühle (Aufnahmeort)
Ich glaubte wohl selbst nicht so richtig daran, durchzukommen und hatte mir bereits einen Alternativplan für die Anfahrt in die Hintere Sächsische Schweiz zurechtgelegt. Doch, was für eine Überraschung! Zwar ist der Weg, der teilweise die alte Bahntrasse der ehemaligen Schmalspurbahn Kohlmühle - Hohnstein nutzt, ziemlich schotterig und manchmal vom Regen stark ausgewaschen, aber mit geländegängigen Handbikes und der entsprechenden Bodenfreiheit wieder durchgängig befahrbar. Beiderseits der kleinen Brücke wurden entsprechend Rampen angelegt und damit die Stufen überflüssig. Prima! Da ist vielleicht mein diesbezüglicher Hinweis an die Verantwortlichen weitergetragen worden. Jetzt kann man jedenfalls wieder von Lohsdorf direkt nach Kohlmühle fahren (s. Track vom 27.08., km 32,5 - 37,5). Interessant vor allem sind dabei auf diesem Abschnitt besonders der eine kurze Tunnel, den man durchführt, und ein weiterer sowie ein Viadukt, die man mittels kurzem Abstecher ebenfalls erkunden kann.

An diesem Tag bin ich außerdem zum zweiten Mal die Radtrasse 3076 von den Balzhütten (Na Tokání) nach Dittersbach (Jetřichovice) gefahren (s. Track vom 27.08., km 81,2 - 85,2). Auch dieser Abschnitt bietet einige tolle Passagen, sollte allerdings wegen der tiefen und breiten Wasserableitungsrinnen quer über den Weg nur behutsam - sprich langsam - befahren werden.

Heute war dann Schontag. Wenigstens bezüglich der Anstiege habe ich mich größtenteils zurückgehalten. Bei der Hitze wollte ich wirklich nicht bis ans Limit gehen. Grenzwertig ist für mich am Wochenende sowieso schon die Befahrung des Elberadwegs - in diesem Fall zwischen Wildberg und dem Blauen Wunder (s. Track vom 28.08., km 74,5 - 95,0). Über die Gründe hatte ich mich schon mehrmals im Blog ausgelassen. Das Schwätzchen mit meiner mittleren Schwester beim spontanen Zwischenstop vor ihrer Wohnung und ihr selbst gebackener Pflaumenkuchen war hingegen ein toller Abschluß der Tour.

Für mich eine schöne Belohnung.

Track der Handbiketour vom 27.08.2016
Track der Handbiketour vom 28.08.2016

22. August 2016

Abspann

Und schon wieder sind meine drei Wochen Sommerurlaub in den Alpen vorbei. Nach entspannter Fahrt erreichte ich gestern am frühen Nachmittag meine Heimatstadt Pirna.

Jetzt beginnt die Nachbereitung. Sicherlich werde ich wieder einen zusammenfassenden und illustrierten Urlaubsbericht schreiben, außerdem muß meine Homepage aktualisiert werden. In 14 Tagen bin ich bereits wieder gemeinsam mit  weiteren Freiwilligen anderer Schutzgebiete im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements für das Nationalparkzentrum Sächsische Schweiz in Österreich unterwegs. Dann wird es um das Thema "Barrierefreies Naturerleben" gehen. Bis dahin bleibt also nicht viel Zeit, ein paar Zeilen festzuhalten, wenn die Erinnerungen noch frisch sind.

Nicht vordergründig wichtig, aber dennoch interessant ist für mich immer die Statistik meiner Urlaubsfahrten. Diesmal war ich sportlich besonders aktiv, obwohl das Jahr 2016 nach gleichlautenden Aussagen vieler Betreiber der während meines Urlaubs als Basislager ausgewählten Campingplätze bisher überdurchschnittlich viel Regen brachte. Bei meinem Aufenthalt im Zillertal waren beispielsweise 2 von 4 Tagen nahezu komplett verregnet, was mir zudem ein paar feuchte Stunden auf dem Handbike einbrachte.

Für drei Wochen mein Zuhause ...
Trotzdem hatte ich meistens Glück mit dem Wetter, weil Regen und Gewitter üblicherweise auf die Transfer-/Ruhetage bzw. auf die Abend-/Nachtzeit fielen. Leider kam vor allem deswegen allerdings die Kultur in Form von Stadtbesichtigungen, Abstechern zu Sehenswürdigkeiten o. ä. ziemlich kurz. Doch besonders auf den größeren Rundtouren habe ich ja auch einiges vom Land gesehen. Außerdem freute ich mich über zahlreiche Begegnungen mit Einheimischen und auch anderen Urlaubern. Eine kleine gemeinsame Paddelboottour mit Ina ist dabei mindestens genauso erwähnenswert, wie die zwei Ausfahrten mit meinen bayerischen Sportfreunden.

Neben alldem können sich die knallharten Fakten durchaus sehen lassen. (Männer lieben das!) Auf 14 Touren - darunter zwei im Erzgebirge mit meinem Sportfreund aus Chemnitz - stehen nach 22 Tagen 1.113 Kilometer und 21.700 Höhenmeter zu Buche. Immerhin 4 Fahrten waren länger als 100 km, natürlich alles Rundstrecken. Daneben kamen mit den beiden Abschlußtouren und der Zillertaler Höhenstraße noch weitere 3 Rundfahrten hinzu, so daß die Hälfte meiner Ausflüge keine Stichtouren wurden. An 5 Tagen absolvierte ich mehr als 2.000 Höhenmeter, und nur bei zwei Fahrten blieb ich unter der 1000er Marke. Nicht zuletzt ermöglicht mir die inzwischen vorhandene Grundausdauer immer öfter, Tagestouren als Rundfahrten zu konzipieren. Dies ist jedenfalls die von mir favorisierte Art und Weise, das Umland zu erkunden.

Schön wäre es, wenn ich noch viel öfter mit Freunden gemeinsam unterwegs sein könnte. Aber der Kreis passender und vor allem interessierter Anwärter wird immer kleiner. Das ist der Preis, den ich für meine Leidenschaft zahlen muß.

Noch ist es mir das wert.

20. August 2016

Zirkusnummer

Am Ende meines Urlaubs hatte ich mich mit Sportfreunden verabredet, um noch zwei gemeinsame  Rad-/Handbiketouren rund um Füssen zu unternehmen.

Von ihnen kam auch der Vorschlag zu einem Abstecher auf die Kenzenhütte. Mich hingegen interessierte vor allem die Auffahrt zur Bleckenau, weil man dabei quasi am Schloß Neuschwanstein vorbeikommt. Ich wollte mir ein eigenes Bild von diesem Ort machen, welcher einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands sein soll.

Auf unserer Freitag-Tour verbanden Gitti, Toni und ich also beide Ziele mit einer kleinen Runde um den Forggensee. Die Kenzenhütte ist über einem 450-Höhenmeter-Anstieg auf für den privaten Kraftverkehr gesperrten Wald- und Forststraßen gut zu erreichen. Allerdings bieten die letzten zwei Kilometer bei festgefahrener Kiesel-/Sandpiste einige steile Passagen, wo man mit dem Handbike knapp an der Traktionsgrenze fährt. Oben gab es zur Belohnung für Kaiserschmarrn für alle.

Mit Gitti und Toni vor dem Berggasthaus Bleckenau (Aufnahmeort)
Nach einer entspannten Seerundfahrt im welligen Voralpenland widmeten wir uns schließlich dem zweiten großen Aufstieg des Tages. Und der entwickelte sich ab Hohenschwangau bis zur Marienbrücke oberhalb des Schlosses Neuschwanstein zu einem ungewollten und vor allem nervenden Schaufahren. Allen war klar, daß es rund um Neuschwanstein ordentlich belebt sein würde. Solche Touristenmassen hatte jedoch keiner erwartet! Absolut abartig! Wahrscheinlich kann man hier nur in finsterster Nacht ruhig durchkommen. Glücklicherweise änderte sich das ab der Marienbrücke nahezu schlagartig. Als wäre man gerade eben durch ein Tor hindurchgegangen, verirrten sich zur Bleckenau nur noch einige wenige Leute. Auf dem Rückweg war es dann genau umgekehrt.

Heute sind wir dann ohne festes Ziel einfach in Richtung Westen zu einer kleinen Abschlußrunde aufgebrochen. Vorbei an Forggen-, Alat-, Weißen- und Hopfensee, wurde daraus bei herrlichem Sommerwetter eine sehr schöne 4-Seen-Tour mit Umkehrpunkt Pfronten. Ab Mittag begann es jedoch, sich zuzuziehen. Doch nach ausgiebiger Mittagspause in einer Gaststätte am Hopfensee erreichten wir am frühen Nachmittag rechtzeitig wieder den Zeltplatz.

Kurz darauf kam der angekündigte Regen.

Track der Handbiketour vom 19.08.2016
Track der Handbiketour vom 20.08.2016

18. August 2016

Zwei in einem Boot

Heute nun bin ich zum letzten Mal in diesem Urlaub umgezogen. Es ging zurück nach Deutschland auf den Campingplatz Brunnen bei Füssen. Von hier aus will ich mit bayerischen Sportfreunden noch eine oder zwei gemeinsame Touren unternehmen.

Paddeln auf dem Forggensee ...
Während des Einrichtens meines Lagers half mir eine junge Frau, mein Handbike zu einem Unterstand zu transportieren. Wir kamen ins Gespräch und eines gab das andere. Von der Kenzenhütte, wo sie vor einigen Tagen selbst mit dem Mountainbike war, bis zum Paddelbootfahren auf dem angrenzenden Forggensee. Sie hatte natürlich auch ihr Boot mit dabei. Als sie mir erzählte, daß es ein Zweisitzer wäre, liebäugelte ich spontan mit einer kleinen Paddelboottour. Es war ja erst Mittag.

Mit meiner Idee rannte ich bei ihr offene Türen ein, und so machten wir uns gemeinsam alsbald nach einer geeigneten Stelle auf die Suche, wo ich unproblematisch in und aus dem Boot käme. Nachmittags starteten wir dann zu einer kleinen Testrunde.

... nette Bootseignerin inklusive!
Es war herrlich! Ich hatte zwar einige Mühe mit dem Gleichgewicht, weil ihr Boot doch kippeliger war, als ich es von den Spreewald-Plastekähnen her gewohnt war. Aber ohne hohe Wellen und Wind funktionierte es nach einer Weile wieder ganz ordentlich. Immerhin saß ich zum letzten Mal vor 9 Jahren (als Rollifahrer) in einem Paddelboot. Ina hatte wirklich viel Geduld mit mir. Auch als der Wind auffrischte und ich mehr damit beschäftigt war, mich aufrecht zu halten, denn zu paddeln.

Wir hatten jedenfalls ein paar schöne Stunden und ich konnte dabei - völlig überraschend - das Spektrum meiner Urlaubsaktivitäten erweitern.

Vielleicht klappt's ja noch einmal mit einem weiteren Ausflug ....

17. August 2016

Wo kein Hahn kräht ...

Meine Vorbereitungen für die letzte diesjährige Handbike-Urlaubstour in Österreich begannen nicht gerade verheißungsvoll. Bei der Fahrt zu meinem neuen Basislager, dem Lechtal Camping Vorderhornbach hatte ich nämlich auf der alten Brennerstraße kurz vor Innsbruck ein Rendezvous mit der österreichischen Polizei. Nachdem ich kilometerlang hinter einem notorischen Langsamfahrer (er fuhr mit 40 statt der erlaubten 50!) fahren mußte, nutzte ich die Gelegenheit, bei einer gut einzusehenden Stelle zu überholen.

Das hätte ich nicht tun sollen. Allerdings war ich mir keiner Schuld bewußt, als mich am Ende der langen Geraden die Polizei herauswinkte. Es gab keine durchgezogene Mittellinie, und zu schnell war ich auch nicht. Der Polizist erklärte mir jedoch, auf diesem Abschnitt würde wegen einer kleinen Seitenstraße (den Abzweig habe ich gar nicht gesehen) Überholverbot gelten. Das machte 35,-EUR. Ich war so verblüfft, daß ich gar nicht groß protestierte. Später konnte ich mir wenigstens einen Reim darauf machen. Auf der Bundesstraße bei Telfs fand sich offensichtlich das gleiche Phänomen: Überholverbotsschilder in großen Abständen mit Kilometerangabe der Gültigkeit bei GLEICHZEITIG gestrichelter Mittellinie. Die Österreicher haben echt einen Treffer! Und die Polizei betreibt staatlich organisierte Wegelagerei gegenüber ahnungslosen Ausländern, die man doch am ehesten den Ordnungshütern osteuropäischer Länder unterstellt. Oder in Italien, wo man auf Sizilien solch mafiöses Gebaren vermuten würde. - Pfui Teufel!!!

Kurz nach dem Mittag kam ich auf dem neuen Campingplatz an, welcher derzeit eher wie eine Baustelle aussieht. Für die schon jetzt angepriesene Barrierefreiheit muß noch einiges getan werden, wenn der Gast nicht wie ich solche Zirkuskunststückchen in der Dusche bzw. auf dem Platz (schotteriger Untergrund) beherrscht. Aber ich wollte ja sowieso nur zwei Nächte bleiben.

Heute waren wieder einmal im Tagesverlauf Schauer angekündigt, nachts gab es den ersten Regen. Deshalb fuhr ich schon in der Dämmerung gegen 5.30 Uhr los. Ich wollte wenigstens das Hahntennjoch trocken erreichen. Danach gab es zwei Optionen: 1. auf dem gleichen Weg zurück oder 2. Rundtour über Fernpaß und Namlossattel.

Ungewohnter Blick auf das Zugspitzmassiv unweit von Biberwier
(Aufnahmeort)
Kurz vor 9 war ich auf dem ersten Paß. Das Wetter blieb stabil - also weiter. Nach einer wegen des übermäßigen Kraftverkehrs nervenden Auffahrt erreichte ich mittags den Fernpaß. Auch auf der Abfahrt mußte ich, bis auf den erholsamen und für Radler vorgeschriebenen Umweg über Lermoos, noch bis zum Abzweig ins Berwanger Tal in Bichlbach durchhalten. Leider gibt es keine praktikable Alternative, wenn man diese Rundtour fahren möchte. Sonst hätte ich sie wirklich gewählt. Schon, um mir die paar wenigen Idioten zu ersparen, die trotz meiner extrem rücksichtsvollen Fahrweise (ganz am Rand, Vorbeiwinken an geeigneten Stellen), mit Hupen oder eindeutigen Handbewegungen ihre eigene Dummheit kundtaten. Die standen übrigens dann wenige Kilometer weiter in irgendeinem Stau, bei dem es nur intervallartig vorwärtsging. Vielleicht eine Baustellenampel ...

Den Namlossattel habe ich schließlich überquert, ohne es recht wahrzunehmen. Denn wieder einmal gab es kein Paßschild. Obwohl ich an diesem Tag schon steilere Passagen überwunden hatten, fielen mir diese letzten Anstiege ziemlich schwer. Es steckte ja auch schon einiges an Höhenmetern in meinen Armen.

Trotz alledem, bis auf die nervenden Stücken rund um den Fernpaß war das ganz ohne Regen eine richtig schöne Runde. Vor allem das Hahntennjoch hat mich begeistert. Die Landschaft dort ist einfach herrlich. Wer sich den mal vornimmt (egal, ob im Auto oder im Handbike), wird mir das gewiß bestätigen. Für mich ist er jedenfalls der Favorit meiner Pässejagdsaison 2016.

Nun freue ich mich auf das Wiedersehen mit Sportfreunden bei Füssen. Mal sehen, was da noch geht.

Track der Handbiketour vom 17.08.2016 (unbearbeitet)

15. August 2016

Besser als gedacht

Für den heutigen Tag hatte ich mir die Befahrung des Pfitscher Jochs vorgenommen.

Weil die Tour von Klausen auch für mich zu weit geworden wäre, wählte ich als neues Basislager das Camping Gilfenklamm in Ratschings unweit von Sterzing. Auch hier sind die sanitären Bedingungen für Rollifahrer Spitze, und das sogar bei recht moderaten Preisen. Für mich bis jetzt der Campingplatz-Favorit in diesem Urlaub. Von hier aus kann man übrigens auch sowohl das Penser Joch als auch den Jaufenpaß mit dem Handbike erobern. Beide Pässe habe ich aber bereits “eingesammelt”.

Am Nachmittag sollte es gewittern, also begab ich mich wieder mit dem ersten Tageslicht auf Achse. Das erwies sich auch als vorteilhaft bei der Befahrung der knapp 400 m langen und ca. 8% steilen Tunnelröhre auf meinem Weg in das Pfitscher Tal. Zu dieser Zeit überholte mich dort nur ein Auto.

Das eigentliche Hochtal ist ziemlich eben, so daß ich dort nach den ersten steilen Kilometern ab Wiesen sehr flott vorankam. Wie es nach dem Ende dieses Abschnittes weitergehen würde, war mir allerdings überhaupt noch nicht klar. Weniger der Streckenverlauf, sondern eher die Befahrbarkeit.

Obwohl bei meiner Urlaubsplanung noch bei Quaeldich.de gelistet, hat man diese Auffahrt offensichtlich inzwischen gestrichen. Wahrscheinlich halten die Redakteure des Portals die Tour nicht für rennradtauglich, weil die letzten Kilometer der alten Militärstraße aus dem ersten Weltkrieg nicht mehr asphaltiert sind. Allerdings bedeutete dies auch, daß es für mich mit schmalen Reifen und bei hohen Steigungswerten eng werden könnte. Mut machten mir jedoch während der letzten Recherchen ein Bericht und ein Video von Fahrten zum Pfitscher Joch.

Am Pfitscher Joch gibt ei kein Paßschild mir - dafür aber den Grenzstein
(Aufnahmeort)
Die Autoren sollten recht behalten. Denn es ging wirklich prima bergauf. Die Serpentinen im Wald waren nicht besonders steil, der Schatten dort war mir aber hochwillkommen. Erst hinter dem letzten Autoparkplatz, 4 km nach Beginn der Erdpiste, zog die Steigung etwas an. Doch bis zum Joch wurde es nie steiler als etwa 10%. Damit ist diese Auffahrt unbedingt eine Empfehlung. Die Natur großartig, nur wenige Autos unterwegs und das Gefühl, sich abseits der touristischen Hauptschlagadern auf das Wesentliche konzentrieren zu können - ich liebe das!

Bei den Zusatzhöhenmetern zum Pfitscher Joch Haus gab mir ein Einheimischer Schiebehilfe, denn die Schotterpiste dorthin war fast zu steil, um noch Traktion mit dem Vorderrad zu bekommen. Doch die Zeit saß mir im Nacken, denn Gewitter drohten bereits.

Ich bin nicht lange oben geblieben. Am Ende der Abfahrt überholte mich mein Helfer mit dem Auto. Über sein zugerufenes “Pfiat di!” habe ich mich mehr gefreut, als über manches gutgemeinte Kompliment der Touristen. Im Gesicht ein breites Grinsen und im Herzen diese tiefe, innere Freude - ein Gefühl, so unbeschreiblich, wie schön.

Was für ein Privileg!

Track der Handbiketour vom 15.08.2016

13. August 2016

Verlustmeldung

Bereits gestern bin ich in meiner neuen Zwischenstation, dem Camping Gasthof Gamp im Klausener Ortsteil Griesbruck angekommen. Nach mehreren kalten und auch regnerischen Tagen im Zillertal begrüßte mich hier endlich wieder die Sonne. Auch der Campingplatz selbst mit einem eigenem Sanitärraum für Rollifahrer ist sehr gediegen. Nur sind die Preise eben Südtiroler Niveau.

Heute hatte ich mir das Würzjoch vorgenommen, und den Paßanstieg in eine Rundtour durch Villnöß-, Gader-, Puster- und Eisacktal integriert. Das erwies sich sozusagen als Volltreffer. Auch Wetter und sogar Fernsicht waren bombastisch. Bei dem steilen Anstieg aus dem Villnößtal ab St. Peter bis kurz vor die von Brixen heraufführende Hauptstraße hätte ich mir da manchmal mehr Schatten gewünscht. Dieser Abschnitt wurde der anstrengendste der gesamten Tour.

Knapp oberhalb des Würzjochs vor dem Peitlerkofel (Aufnahmeort)
Oben am Paß unterhielt ich mich sehr lange mit zwei einheimischen Mountainbikern aus Brixen, die auf etwa der gleichen Route unterwegs waren. Als ich dem einem von von der beabsichtigten Fahrt durch die vielen Tunnel des unteren Gadertals erzählte, ließ er sich nicht davon abbringen, mir sein Rücklicht zu schenken.

So ausgestattet, stürzte ich mich in die Abfahrt. Die Straße war leider inzwischen ziemlich schadhaft, so daß es ein ziemliches Geholper wurde. Bei einem Fotohalt 250 Höhenmeter weiter unten dann die Entdeckung: mein Fahrradcomputer war nicht mehr da. Bereits auf meiner vorangegangenen Fahrt war mir kurz vor Tourende die Halterung und damit der Computer abgefallen, weil sie inzwischen total abgenutzt ist. Ich hatte sie wieder am Rad befestigt und zusätzlich gesichert. Fertig. Heute dann verschwendete ich keinen einzigen Gedanken mehr daran. Obwohl ich eigentlich den Computer prophylaktisch in meiner Bauchtasche sicher hätte deponieren können. Mein Fehler!

Jedenfalls bin ich noch einmal hoch bis zum Paß gefahren, also dort, wo ich zuletzt den Computer nach meiner Pause aktiviert hatte. Vergebens. Aber so brauche ich mir wenigstens keine Vorwürfe machen, daß ich nicht einmal nach ihm gesucht hätte.

Nun bin ich für den Rest meiner diesjährigen Alpentour bei der Tourenaufzeichnung auf meinen GPS-Logger und mein Fahrradnavi angewiesen. Ohne Herz- und Trittfrequenzmessung, und nicht so genau wie eben ein “richtiger” Fahrradcomputer. (Immerhin: mein Navi habe ich vor einigen Tagen aufwendig mit dem Neuaufspielen der Software tatsächlich wieder zum Laufen gebracht.) Zuhause werde ich dann mal schauen, ob ich irgendwo einen Ciclosport HAC5 inkl. Halterung gebraucht erwerben kann. Ich war nämlich mit dem Teil sehr zufrieden, obwohl er in letzter Zeit scheinbar immer mal Aussetzer während der Aufzeichnung hatte. Neu gibt’s den jedenfalls schon lange nicht mehr.

Mein Rückweg über den Pustertal- und Eisacktalradweg verlief weitestgehend unspektakulär. Sehr schön ist, daß man bei beiden Radwegen fernab vom Kraftverkehr unterwegs ist. Leider gibt es dafür vor allem bei der erstgenannten Trasse einige kurze und steile Gegenanstiege, obwohl es eigentlich talabwärts geht. Deshalb habe ich diesen dann auch in Mühlbach verlassen und mir die schnelle Abfahrt auf der Hauptstraße hinunter nach Brixen gegönnt.

Ansonsten war es heute wieder eine sehr schöne, doch mit 107 km und ca. 2150 Hm sehr anspruchsvolle Tour. Wenn nur diese dumme Sache nicht passiert wäre! Am meisten ärgere ich mich über meine eigene Dummheit.

Wie immer.

Track der Handbiketour vom 13.08.2016